Habt keine Angst, zu helfen!

Ahmed berichtet:
„Ihr braucht keine Angst vor dem ersten Schritt haben. Viele fragen mich, wie ich dazu kam, geflüchteten Menschen zu helfen. Vor etwa elf Monaten hat mich eine Bekannte in die Facebookgruppe „Flüchtlingshilfe Adlerstraße“ eingeladen. Erst einige Wochen später habe ich mir diese Gruppe näher angesehen. Mir ist sofort aufgefallen, dass Unterstützung nötig ist. Ich habe meine Hilfe angeboten und wurde schon für den nächsten Tag eingeladen.

Ein bisschen aufgeregt war ich schon.

Ich wusste zwar, mit vielen Menschen dort habe ich eine gemeinsame Sprache, doch ich wusste auch, dass ich viele nicht verstehen würde. Nach einer kurzen Vorstellung ging es zur Sache: Klamotten für die Kleiderkammer aussortieren. Einige Helfer waren schon sehr fleißig, aber es waren noch lange nicht genug. Als ich abends nach Hause ging war mir klar: Morgen will ich wieder hin und helfen. Ich habe noch ein paar Freunde angesprochen, die ebenfalls sofort mitmachten. Der erste Kontakt mit den Bewohnern der Einrichtung kam ein bisschen später.

Ich habe zuerst versucht, mit den Leuten zu sprechen, die dieselbe Muttersprache haben. Mit den anderen kann ich ja nicht reden – dachte ich. Falsch gedacht! Ich habe schnell bemerkt:

Hände, Füße und ein Lächeln reichen.

Je öfter ich dort war, desto besser fühlte ich mich. Manche begrüßten mich mit Umarmungen und gaben mir das Gefühl, ein Teil von ihnen zu sein. Sie boten mir Tee, Essen und Zigaretten an. Ich habe immer dankend abgelehnt, weil ich dachte, dass sie doch ohnehin schon wenig haben. Diesen Gedanken verwarf ich schnell, denn es ist wichtig, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

Ich höre immer wieder, dass viele helfen möchten, sich jedoch wegen der Sprachbarriere nicht trauen. Die Sprache ist nicht die einzige Voraussetzung! Habt keine Angst, den ersten Schritt in eine Einrichtung zu wagen. Habt lieber Angst, diesen Schritt nicht zu tun, denn Ihr verpasst etwas richtig Gutes. Alle, die sich getraut haben, stellen sehr schnell fest, wie schön es ist, diesen tollen Menschen zu begegnen.

Viele sprechen immer wieder ihren Respekt aus und sagen, wie toll sie es finden, dass ich unsere neuen Mitmenschen unterstütze. Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich denke mir jedes Mal: Das ist doch nichts Besonderes. Das kann jeder machen. Wenn ich jetzt beispielsweise nach Berlin umziehen würde, würden mir dort doch auch Freunde zeigen, wo ich die verschiedene Ämter finde, mir tolle Restaurants/Bars zeigen und ihre Freunde vorstellen.

Ich höre immer wieder, wie Menschen über Menschen, die aus Not zu uns gekommen sind, sprechen. Ich kann dazu nur eins sagen: Sprecht nicht über sie, sprecht mit ihnen.“

Text: Ahmed