• Dez
    15

    Wann ist ein Flüchtling kein Flüchtling mehr?

    Der neue Alltag

    (ein Beitrag von Alena)

    In unseren Sprechstunden an jedem Dienstag und Mittwoch unterstützen wir auch weiterhin rund 150 geflüchtete Menschen wöchentlich bei kleinen und großen Problemen. Neben Anmeldungen für unsere eigenen Angebote, wie z.B. die Umzugshilfe, Deutschkurse oder Sportangebote klären wir mit den Menschen auch den Umgang mit der neuen Wohnsitzauflage oder der Aufforderung zur Passbeschaffung.

    Bei den Besuchern der Sprechstunde bekomme ich meist nur einen kleinen Einblick in den neuen Alltag der Menschen. Anders sieht es bei meinen neuen, überwiegend aus Syrien stammenden, Freunden aus. Die Wohnsituationen sind bei ihnen geklärt. Die Integrationskurse laufen und sie beherrschen zusehends die deutsche Sprache.

    Durch unser gemeinsames Leben in Dortmund habe ich die Möglichkeit, viel zu lernen und wichtige Erfahrungen zu sammeln. Als deutsche junge Frau ist es für mich neu, an der Tür einer Disco mit fadenscheinigen Begründungen weggeschickt zu werden. Ich hasse diese Situationen.

    In diesen Momenten schäme ich mich für meine Stadt

    Doch auch diese Situationen motivieren mich, mein Ehrenamt genau so intensiv wie bisher, fortzusetzen. Unermüdlich schreibe ich die Discobetreiber an – trotz des Wissens, keine Antwort zu erhalten. Genauso neu sind für mich nächtliche Polizeikontrollen, die sich ausschließlich durch das nichtdeutsche Aussehen meiner Freunde begründen. Und auch hier werde ich nicht müde, mit den Menschen darüber zu diskutieren. Ein Verhalten, das dazu führt, dass ich als einzige Deutsche in unserer Gruppe auch als Einzige meinen Ausweis in der Tasche behalten darf.

    Menschen, die uns anstarren oder an uns vorbei gehen und Dinge wie „Ich hasse diese Araber“ murmeln, lernte ich zu ignorieren

    Nun berichten meine Freunde jedoch immer wieder von neuen Gefühlen, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen: Gefühle, die sie mindestens ein drittes oder viertes Mal zweifeln lassen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Natürlich fällt eine Gruppe dunkelhaariger Menschen oder eine Frau mit Kopftuch auf – auch in einer Stadt wie Dortmund. Einfach als normal wahrgenommen zu werden und in der Masse unterzugehen, ist meist schwierig. Gerade deshalb, weil stets thematisiert wird, woher sie kommen. Doch viel schlimmer scheint das Gefühl, für den Rest seines Lebens „der Flüchtling“ sein zu müssen. Hört man den Menschen zu, zeigt sich schnell, dass sie dieses Wort nicht ausstehen können. Immer auf etwas reduziert zu werden, was eigentlich „nur“ ein Teil der eigenen Geschichte ist, macht sie traurig und passiv. Es handelt sich um Menschen, die auch ein Leben hatten bevor sie nach Deutschland kamen, die einen lebensgefährlichen Weg hinter sich gelassen haben, um in Sicherheit weiterleben zu können. Wir alle sollten ihnen vielleicht ein bisschen mehr zutrauen, denn die Erfahrung zeigt bereits jetzt:Mit den richtigen Wegbegleitern fügen sich alle Dinge und es werden schon Pläne für Ausbildungen, Studium usw. geschmiedet.

    Viele der geflüchteten Menschen wünschen sich, nicht mehr „der Flüchtling“ zu sein, sondern als die Persönlichkeiten wahrgenommen zu werden, die sie sind. Dann hören vielleicht auch einstudierte Sätze wie: „Ich heiße XX und ich komme aus XX auf“, denn außerhalb des Urlaubs wird von mir auch nicht erwartet, dass ich erwähne, dass ich Deutsche bin.

     

     

  • Aug
    25

    Ein Ausflug in die deutsche Geschichte – Projekt Ankommen organisierte Tour nach Berlin

    Projekt goes Berlin

    Unter diesem Arbeitstitel organisierten, planten und informierten wir.

    Vor einigen Monaten entstand die Idee, eine Reise nach Berlin zu planen. In den Integrationskursen der Geflüchteten, aber auch im gemeinsamen Austausch ist die Geschichte Deutschlands immer wieder Thema. Doch irgendwie lässt sich kaum nachvollziehen, dass Deutschland z.B. damals in zwei Teile zerlegt wurde. Ein guter Grund, sich die Stadt mit der ehemaligen Mauer und andere historische Sehenswürdigkeiten in unserer Hauptstadt anzuschauen und sich damit auseinanderzusetzen.

    Ein Team aus drei Ehrenamtlichen zeigte sich bereit, eine Kultur- und Bildungsfahrt zu planen und durchzuführen. Sie organisierten die ersten Treffen und sammelten viele Ideen: Was wird benötigt? Worauf müssen wir achten?

    Und was wollen wir vor Ort tun?

    Schließlich war es für uns alle das erste Mal, eine solche Reise – und das gleich für 15 Personen – zu organisieren. Durch tolle Kontakte und Verhandlungsgeschick erhielten wir gute Konditionen von den verschiedenen Anbietern. Die Rahmenbedingungen standen schnell fest. Gelder wurden beantragt und eine Pauschale pro Teilnehmer festgelegt.

    Wer soll eigentlich mitfahren?

    Da wir unerfahren waren, war es uns wichtig, dass Menschen teilnahmen, die wir oder andere Ehrenamtliche des Vereins zumindest entfernt kannten. Die Gruppe stand schnell fest und wir bereiteten uns auf diese aufregende Zeit vor. Mit Hilfe von Vorbereitungstreffen und einer Whatsapp-Gruppe gelang es uns, alle Teilnehmer auf dem aktuellen Stand der Informationen zu halten.

    Freitagmorgen, 8:30 Treffen am Hauptbahnhof. Viele trafen sich schon am vorherigen Abend oder auf dem Weg zum Bahnhof, um nicht zu spät dort zu sein. Um zwanzig nach Acht klingelte das erste Handy, mit einem Teilnehmer, der fragte wo denn alle seien. Zu spät kam jedoch nur der Bus. Unserer Vorfreude und Aufregung tat das zum Glück keinen Abbruch. Staubedingt zog sich die Fahrt. Die Zeit versuchten alle mit Nickerchen, Singen und Quatschen zu überbrücken.

    Dann hieß es:

    Willkommen in Berlin

    Einmal kurz durchatmen, Zimmer beziehen und frisch machen. Schon wartete der erste Programmpunkt: Ein gemeinsames Abendessen zum Einstieg. 15 müde und gleichzeitig aufgekratzte Menschen wollten gleichzeitig fotografieren und Essen bestellen. Nach dem köstlichen Essen ging es noch kurz an der East Side Gallery vorbei . Schließlich haben wir nicht endlos Zeit und Berlin bietet einfach zu viel. Nach einem weiterem kurzen Stopp im Hostel erkundeten wir die Stadt bei Nacht und legten die ersten von insgesamt sehr vielen Kilometern zu Fuß zurück.

    Auch Tag zwei sollte uns einiges bieten. Unter anderem das Brandenburger Tor, der Bundestag, das Denkmal für die ermordeten Juden in Europa und der Fernsehturm warteten auf uns. Hunderte Fotos wurden geknipst und mindestens so viele Fragen gestellt. Was ist das? Wie alt? Warum? Und wie eigentlich? Die Smartphones immer griffbereit, konnten wir die meisten Fragen beantworten. Um unseren Füßen eine Pause zu gönnen und das tolle Wetter auszukosten, entschieden wir uns spontan, den Abend im Berliner Mauerpark ausklingen zu lassen.

    Den Abfahrtstag wollten wir nicht ungenutzt lassen: Wir liefen zum Checkpoint Charlie, um uns einige Zeit später von unserem Busfahrer für die Rückfahrt einsammeln zu lassen.

    Fotos, Fragen, Mittagsessen. Müde, aber glücklich singend, lachend und schlafend warteten wir auf unsere Ankunft in Dortmund.

    Die Geschichten, Denkmäler und historischen Bauten erinnerten viele der Teilnehmer an ihre Heimat. Die Stimmung drückte das nicht. Vielmehr regte es an, tolle Geschichten zu erzählen und Bilder zu zeigen.

    Auch wenn es einigen Menschen nicht klar ist, die Parallelen sind größer als wir denken.

    Mein persönliches Highlight spielte sich unverhofft in einem kleinen Dönerladen kurz vor der Rückfahrt ab: Alle wollten sich mit Proviant für die Heimfahrt eindecken –  Chaos und die Uhr im Nacken. Als fast alle versorgt waren, fragte der Besitzer: „Woher kommt ihr?“. Ganz selbstverständlich und beiläufig kam die Antwort: „Aus Dortmund“. Denn hier ging es nicht darum, wer aus welchem Land stammt. Wir waren einfach Touristen wie viele andere auch und wir kamen alle aus Dortmund.

     

  • Jun
    22

    Sport hilft gegen (fast) alles

    „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit,
    und er schützt uns durch Vereine, vor der Einsamkeit“.

    … sagte einmal Joachim Ringelnatz, ein deutscher Lyriker, Erzähler und Maler (1883-1934).

    (ein Text von Karina)

    Ich finde, Herr Ringelnatz hat völlig Recht, auch heute noch.

    Und daher möchte ich jetzt ein bisschen von der Sportgruppe erzählen:

    Wir sind aktuell sieben aktive Mitglieder, die versuchen, Geflüchtete für Sport zu begeistern, sie durch Sport zu integrieren und in Vereine zu vermitteln.
    Ohne Sport bin ich persönlich schnell unausgeglichen und zickig. Sport ist wichtig und wenn ich mich bewegen und auspowern kann, fühle ich mich gut. Viele denken jetzt bestimmt das Gegenteil, aber umso mehr wissen ganz genau, was ich meine. Sport befreit und im Team oder in einem Verein kann man sich wohlfühlen und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln.
    Daher lautet meine Antwort auf die immer wiederkehrende Frage nach der Integration von Flüchtlingen auch:

    Treibt SPORT! Wie könnte es einfacher funktionieren?

    Es gibt kaum Sprachbarrieren und „fair play“ kennt jeder.
    So langsam melden sich die Geflüchteten auch bei uns. Es war und ist zwar immer noch schwierig, die Menschen zu motivieren. Viele andere Dinge sind erst einmal wichtiger und die Betreuung und Begleitung ist oft aufwendig, weil die meisten nicht von sich aus zu Sportfesten kommen oder zu Sportvereinen gehen. Aber wenn sie dann erst einmal da sind, ist die Begeisterung oft groß und sie bleiben im wahrsten Sinne des Wortes am Ball.
    Wir sind auch überrascht, wie vielfältig die Interessen sind. Klar, König Fußball ist immer noch die unangefochtene Nummer 1. Gerade jetzt zur EM. Aber auch Schwimmen, Kickboxen und Basketball sind gefragt. Und bei den Mädchen auch Tennis und Tanzen. Ich bin gespannt, wie die geplante Ferienfreizeit „Pferde und Indianer“ ankommen wird..
    Und dann noch Sayed´s Cricket Team! Da wurde erst für uns gekocht, weil wir den Jungs aus Sri Lanka und Myanmar Schläger und Handschuhe organisert haben, und dann gab es quasi als „Überraschungs-Dessert“ zwei Stunden Cricket-Training im Park. Wir haben zwar immer noch nicht alle Regeln verstanden, aber es machte einen Heidenspaß und die Überraschung war gelungen.
    Es ist auch wirklich schön zu sehen, wie Kinder und Jugendliche beim Sport langsam auftauen und entspannen. Man spürt regelrecht, wie sie abschalten, all ihre Sorgen vergessen und einfach mal loslegen.

    Ich möchte ein paar Beispiele erzählen:

    Einmal im Monat können unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit Schülern des Mallinckrodt-Gymnasiums Fußball spielen. Wir vom Projekt Ankommen holen die Jungs in der Unterkunft ab und bringen sie später wieder zurück. Letztes Mal war ein 16jähriger Junge aus Guinea dabei. Er sprach nur französich und war erst seit 10 Tagen in Dortmund. Mein französisch ist rudimentär, aber ein Glück konnte sich Monika ein bisschen mit ihm unterhalten. Er hatte weder Shorts noch Sportschuhe, war schüchtern und wollte deshalb schon gar nicht mehr mit, denn in Jeans und FlipFlops kann man ja nicht spielen. Letztlich hat ihm ein Betreuer Sportschuhe und ein Lehrer eine kurze Hose organsiert und er konnte dann doch noch mit auf´s Feld. Wunderbar, wie er auftaute und über das Spielfeld flitzte! Plötzlich war er mittendrin in der Gemeinschaft und konnte all seine Sorgen zumindest für ein paar Stunden vergessen. Und dass kaum jemand französisch konnte, war plötzlich auch egal, denn Fußball spielen kann jeder.
    Ein anderes Besispiel: Ich habe einen 16jährigen Jungen aus Albanien zum Volleyballtraining begleitet. Als wir ankamen, schickte ihn der Trainer nach einer kurzen Begrüßung direkt zum Aufwärmen auf’s Feld. Keiner der Anderen war skeptisch und erkundigte sich nach Sprache, Herkunft oder Alter. Das war völlig egal, Hauptsache, sie konnten endlich anfangen zu spielen. Einmal habe ich am Spielfeldrand fast einen Ball abbekommen und er kam zu mir, um den Ball zu holen. Er sah mich kurz an, völlig außer Atem, total verschwitzt, aber er grinste mich an und war einfach glücklich.

    Das war einer meiner ganz besonderen Schlüsselmomente: Diese Freude am Sport, aber auch diese ganze Energie, die da raus musste, kam in diesem Moment besonders rüber und hat mich wirklich beeindruckt. Am liebsten hätte ich noch selbst mitgespielt.
    Dieter klettert seit Jahrzehnten leidenschaftlich. Er klettert u.a. mit K., einem talentierten Jungen aus Albanien. K. nutzt inzwischen jede Trainigsmöglichkeit und die beiden sind sogar schon zusammen zum Klettern in den Urlaub gefahren. Dieter erzählt immer ganz begeistert, wie toll sich der Junge entwickelt. Manchmal muss er ihn sogar bremsen, weil er zu schnell zu viel will. Wer weiß, vielleicht wird ja K. noch ein erfolgreicher Kletterer? Danke, Dieter.

    Eine wunderbare Erfahrung war auch unser Sporttag.

    Eine Familie aus dem Libanon war mit ihren Paten Lars und Ina da. Die Größte von vier Töchtern löcherte mich ständig: Was ist das da für ein Sport, was kommt als nächstes, kann ich da mitmachen? Irgendwann kam sie zu mir und sagte: Also, das ist so toll hier, wir haben nächste Woche am Mittwoch Zeit, dann kommen wir wieder, ok? Ich musste lachen und freue mich jetzt schon auf unseren nächsten Sporttag, an dem die vier Mädchen bestimmt auch wieder teilnehmen werden.
    Es gab schon viele solcher oder ähnlicher Erlebnisse, mit groß und klein, ob im Fitnesscenter oder im Park. Sport, ob im Verein oder in kleinen Gruppen, das geht immer. Ich bin immer noch und immer wieder begeistert und freue mich auf viele weitere Sportarten und Erfahrungen. Und wer bei uns mitmachen will, kann sich gerne unter sport@projekt-ankommen.de bei uns melden.

  • Jun
    03

    Gesegneter Ramadan

    Mit Traditionen soll man nicht brechen – Fasten schon

    (von Alena)

    Seit unserem Start mit Projekt Ankommen ist nun knapp mehr als ein Jahr vergangen. Eine bewegende Zeit mit Höhen und Tiefen. Eine Zeit, die ich nicht zurück drehen möchte und bis heute sehr genieße.

    Die Arbeit hat viele neue Menschen und vor allem Freunde in mein Leben gebracht

    Einen Teil der Menschen kenne ich seit ihrem Start in Dortmund vor 1,5 Jahren, einige seit ihrem Auszug aus der Unterkunft Ende letzten Jahres. Wir durchleben immer noch sehr intensive Augenblicke, in denen wir nicht nur unsere gemeinsame Zeit, sondern auch Freuden und Sorgen teilen. Wir bemerken, wie wir immer häufiger von „Früher“ sprechen. Früher ist hier natürlich überschaubar, aber wir betrachten die zurückliegende Zeit mit strahlenden Gesichtern. Wir erzählen den Freunden, die noch nicht so lange bei uns sind, was wir letztes Jahr tolles unternommen haben und dieses Jahr Neues ausprobieren werden. Eins der Dinge, das sich dieses Jahr und auch in den nächsten Jahren wiederholen wird, ist der Fastenmonat Ramadan. Im vergangenen Jahr habe ich Ramadan zum ersten Mal, mit allem, was dazu gehört, verfolgt. Ich selber habe mich damals dazu entschieden, meinen eigenen „kleinen“ Fastenmonat einzulegen. Vier Wochen kein Alkohol. Nichts im Vergleich zum eigentlichen Fasten, aber mein Weg, die Jungs zu begleiten.

    Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang ist allen Fastenden Essen und Trinken erlaubt

    Wir entschieden uns, einmal in der Woche gemeinsam zu kochen und das Fasten zu brechen. Wie sich zeigte, eine neue Tradition in unser aller Leben: Tolle Abende beim gemeinsamen Schlemmen und Genießen. Schon damals waren wir Deutsche, Syrer, Afghanen, fastende Muslime und nicht fastende Muslime. Alle haben mitgeholfen und gemeinsam die Lieblingsspeisen der Anwesenden zubereitet. Aber auch an fast allen anderen Abenden aßen wir gemeinsam dort, wo die Menschen lebten und ich freute mich immer, zu beobachten, wie plötzlich die Energie der Leute zurückkam – zu einer Zeit, zu der ich normalerweise im Bett liege und schlafe.  Auch in diesem Jahr wollen wir Ramadan wieder gemeinsam erleben. Ich werde wieder meinen „kleinen“ Ramadan durchführen. Die erste Freundin hat sich schon angeschlossen.

    Eine veränderte Gruppenkonstellation im Vergleich zum letzten Jahr, jedoch genauso bunt

    Die ersten Wunschgerichte sind notiert und die Vorbereitungen starten langsam. Ich freue mich auf diese und viele neue gemeinsame Traditionen.

    Ab Montag heißt es wieder: „Ramadan mubarak“

     

  • Mär
    31

    Nahid Farshi einstimmig wiedergewählt

    Aktive Hilfe bleibt Schwerpunkt

    Nur zehn Monate nach seiner Gründung konnte der Vorstand des Vereins Projekt Ankommen während seiner 1. Jahreshauptversammlung beeindruckende Fakten vorstellen:

    Der Verein hat mittlerweile 270 Mitglieder.

    Zum Umfeld zählen fast drei Mal so viele Menschen, nämlich 617,
    die aktive ehrenamtliche Hilfe leisten.

    Für 150 Familien und Einzelpersonen hat Projekt
    Ankommen Patenschaften vermittelt.

    Für ebenso viele Menschen konnten Umzüge in eigene
    Wohnungen organisiert, durchgeführt und Möbel besorgt werden.

    Durch das Projekt Ankommen konnten bereits 260 Geflüchtete
    an einem Deutschkurs teilnehmen.

    „Diese Zahlen sind erfreulich und bilden nur einen Teil unserer Aktivitäten ab – doch sie zeigen auch:

    Mehr denn je ist Hilfe nötig

    Vor allem für die circa 3500 Flüchtlinge, die nicht mehr in Flüchtlingsunterkünften, sondern in einer eigenen Wohnung leben. Wir dürfen die Menschen nicht alleine lassen, sie brauchen unsere Unterstützung“, so Nahid Farshi, alte und neue Vorsitzende des Projekt Ankommen.

    Die Jahreshauptversammlung wählte sie einstimmig zur 1. Vorsitzenden.

    Nahid Farshi, vor mehr als 30 Jahren selbst aus dem Iran geflohen und immer in Sachen Integration und interkultureller Arbeit aktiv, nutzte dafür natürlich auch die Jahreshauptversammlung: eine persische Braut, so ließ sie die Versammlung wissen, antwortet erst, wenn sie drei Mal gefragt wird. Und so erlebten die Teilnehmer der Versammlung vergnügt mit, wie die Vorsitzende zwei Mal sehr neutral schaute, bevor sie mit einem begeisterten „ja, sehr gerne“ die Wahl zur Vorsitzenden annahm.

    Die weiteren Mitglieder des Vorstands sind:

    Stellvertreterinnen Astrid Cramer und Bettina Bielefeld
    Kassiererin Karola Beyling
    Schriftführerin Alena Mörtl

    Als Beisitzer wurden gewählt:

    Ahmed Abdellatif, Jan Lüttmann, Karina Meyer, Marlies Schäfer, Robert Torkuhl, Hannah de Vries

    Lebhaft diskutiert wurde ein Antrag zur Änderung der Satzung, in dem es darum ging, die Formulierung in der Satzung von „politisch neutral“ in „parteipolitisch neutral“ zu ändern. Mit großer Mehrheit beschloss die Versammlung, die Satzung nicht zu verändern, um auch weiterhin die aktive Hilfe in den Mittelpunkt zu stellen und dem Verein seine „Reinheit“ zu belassen.

  • Mär
    31

    Gemeinsam mehr erreichen

    In Hörde geht’s rund…

    (Text von Bettina)

    Schon lange begleiten Lisa und ich Flüchtlinge aus dem PHOENIX-Haus. Dabei fiel uns auf, wie schwierig es für die Menschen wird, wenn sie danach in eigenen Wohnungen leben. Im Oktober dachten wir: So geht das nicht weiter – wer kümmert sich um die Menschen, wenn sie allein in einer Wohnung sind, wenn sie Post bekommen, die sie nicht verstehen; wer hilft bei den Problemen des Alltag – und  ganz konkret, woher bekommen sie Möbel, wie kommen gespendete Möbel in ihre Wohnungen?

    Wir recherchierten und stießen schnell auf das Projekt Ankommen

    Dort wurden wir mit offenen Armen empfangen. Denn unsere Interessen sind die gleichen: Wir wollen die Arbeit mit geflüchteten Menschen in die Stadtbezirke bringen. Genau das will das Projekt Ankommen auch.

    Lisa und ich trafen uns mit Nahid Farsi, der ersten Vorsitzenden von Projekt Ankommen und bereits beim ersten Kontakt war klar – da wollen wir uns anschließen – „Projekt Ankommen“ hilft unkompliziert, das Know-how ist riesig und Spaß miteinander hat man auch. Lisa und ich traten dem Verein bei, krempelten die Ärmel hoch und suchten uns im Stadtbezirk Hörde weitere Gleichgesinnte.

    Für uns ist es wichtig, mit allen zusammenzuarbeiten, die in Hörde engagiert sind, natürlich auch mit der Bezirksverwaltung. Also haben wir das Gespräch mit Herrn Spangenberg, dem Leiter der BV gesucht und stießen auf offene Ohren und Türen. Sofort wurde uns für unsere Arbeit ein Büro in der Stadtteilagentur angeboten. Dort sind wir bereits Mitte November eingezogen. Am Anfang war es ruhig, doch heute reicht der Platz im Büro oft nicht aus, weil so viele Menschen Hilfe und Beratung suchen. Deshalb überlegen wir jetzt schon, die Öffnungszeiten zu erweitern.

    Was tun wir?

    Wir helfen bei Behördengängen oder beim Umzug. Wir vermitteln Patenschaften, führen Infoveranstaltungen durch, laden zum Stammtisch und kümmern uns um Weiterbildungen und taraaa… am 4. April beginnt unser erster Deutschkurs in Hörde. Im Februar haben wir uns beim Stadtbezirksmarketing vorgestellt und eine großzügige Spende für Werkzeug erhalten und demnächst wird es eine Informationsveranstaltung im Bürgerhaus geben.

    Die Arbeit macht sehr viel Freude. Auch wenn manches nervenaufreibend und anstrengend ist, so bleibt am Ende doch große Zufriedenheit. Es ist schön, wenn Familienangehörige tatsächlich nachziehen können, eine Wohnung eingerichtet ist oder jemand strahlend und voller Freude mit einem endlich erhaltenen Dokument im Büro auftaucht.

    Foto: Projekt Ankommen

     

  • Mär
    19

    Die Haltewunschtaste – Gedanken über Selbstverständlichkeiten

    Was mich antreibt…

    (geschrieben von Hannah)

    Seit einigen Monaten engagiere ich mich ehrenamtlich für geflüchtete Menschen im Projekt Ankommen. Es ist eine Aufgabe, die ich von Anfang an gerne gemacht habe.
    Manchmal denke ich darüber nach, ob das alles nicht zu viel wird. Schließlich gibt es neben dem Ehrenamt noch Freunde und Familie, die Schule, den Beruf und ja, Hobbies hab ich auch.

    In solchen Momenten denke ich an Erlebnisse, die mich nachhaltig geprägt haben

    Mohammed und ich sitzen in der U-Bahn. Ich ignoriere die Durchsage, schon tausendmal gehört. Er fragt: „Was bedeutet es: Nach Betätigung der Haltewunschtaste?“
    „Na, drück den Knopf und die Bahn hält.“, antworte ich.
    „Ach so, betätigen heißt drücken.“
    „Nein, nicht ganz.“, sage ich.
    Ich habe es ihm erklärt, an zig Beispielen. Mit jedem Beispiel kommt ein neues Wort, das er nicht kennt. Manche sagen, sowas sei anstrengend. Ich denke nicht. Denn endlich mache ich mir Gedanken über Selbstverständlichkeiten. Über die eigene Stadt, meine Sprache und Mitmenschen.

    Es ist wunderbar wieder zu lernen, diese Dinge bewusster wahrzunehmen.

    Auf der Südtribüne stehen wir nebeneinander. Das Spiel hat noch nicht begonnen. Mohammed saugt alles auf. Die Fans, die Stimmung, das Stadion. Wir machen Fotos für seine Familie und seine Freunde. Einige Lieder kann er schon mitsingen. An uns schlängelt sich ein Mann vorbei. Er hat einen Bierträger in der Hand. Darauf steht: „Kein Bier für Rassisten!“
    Mohammed, seit fast einem Jahr in Deutschland, fragt: „Was bedeutet es: Rassisten?“
    Ich bin sprachlos.
    Mit dieser Frage ist mir klar geworden, dass ich alles dafür tun werde, um Menschen, die ihre Heimat verloren haben, weiterhin einen friedlichen Neuanfang in Dortmund zu ermöglichen.

    Dies sind nur zwei Auszüge aus meinen gesammelten Erfahrungen. Nach mittlerweile einigen Monaten gibt es unheimlich viele davon. Und ich hoffe sehr, dass noch viele folgen.

  • Feb
    09

    „COFFEE WITH FRIENDS“ findet großen Anklang

    „Und wenn keiner kommt?“

    (von Daniel Scholz)

    Es ist Sonntagnachmittag. Die Uhr springt auf 15:20 Uhr. Die freiwilligen Helfer, rund um die Veranstaltungsgruppe, die sich im Café versammelt haben, werden langsam unruhig.

    „Und wenn keiner kommt?“, fragt einer der Helfer. „Dann bleibt sehr viel Kuchen für uns übrig!“, witzelt ein anderer.

    Seit 15 Uhr sind die Türen geöffnet. Kaffee und Tee sind aufgesetzt und ein großes Kuchenbüffet wartet darauf, vernichtet zu werden.

    Dann öffnet sich die Tür und die ersten Geflüchteten, ein junges Paar aus Pakistan, betritt in Begleitung eines älteren Ehepaares, ihren Paten, das Dortmunder Café.

     

    Foto: privat

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  • Jan
    13

    Deutschkurs geht mit 85 Neuanmeldungen in die dritte Runde

    (geschrieben von Frederike)
    Viele der freiwilligen Helfer haben uns in den beiden vorherigen Kursen bereits gezeigt, wie wichtig ihre Unterstützung und die Zusammenarbeit im Team ist: Von der Kinderbetreuung während des Unterrichts der Eltern, über die Unterstützung durch die Übersetzer bis hin zu den Lehrkräften, die sich den zukünftigen Teilnehmern vorstellen und ihnen die Räumlichkeiten zeigen.

    Wir sind alle sehr gespannt

    Voller Vorfreude begegnen wir der nächsten Herausforderung „Deutschkurs“ mit positiven Erwartungen. Auch wenn die Strukturen des Kurses stehen und viele der Helferinnen und Helfer uns auch in dieser Runde weiter unterstützen, spreche ich von einer Herausforderung, denn: Uns stehen erneut zwölf Wochen bevor, in denen wir im Team als Lehrerinnen und Lehrer, bei der Kinderbetreuung und als Kursteilnehmer zusammen arbeiten, um unser gemeinsames Ziel – die deutsche Sprache vermitteln und erlernen, zu erreichen. Herausforderung, weil jeder Kurs andere heterogene Gruppen mit sich bringt: Neue Hintergründe, andere individuelle Voraussetzungen, neue Lehrerinnen und Lehrer, die teilweise zum ersten Mal Deutsch unterrichten.

    Die Zahl der Kursteilnehmer wächst stetig an

    Das zeigt einerseits, wie viel Anklang unser Angebot findet, andererseits bieten wir auf diese Weise immer mehr geflüchteten Menschen, die Möglichkeit, unsere Sprache zu lernen. Ich kann mir auch gut vorstellen, was für eine Herausforderung der Unterricht für die Teilnehmer darstellt.

    Welche Erwartungen haben sie an die Kurse? Welche Ziele haben sie? Welchen Menschen werden sie in den Kursen begegnen?

    Zwölf Wochen werden wir täglich versuchen, unsere Kurse den Voraussetzungen der Teilnehmer entsprechend zu gestalten, zu motivieren und ihnen erfolgreich die Inhalte zu vermitteln. Und zwölf Wochen werden viele von uns Kinder in unterschiedlichen Altersgruppen in kleinen Teams betreuen, unterhalten und bespaßen.

    Ich hoffe sehr, dass wir es, trotz einiger zu überwindender Hürden, mit unserem Engagement wieder schaffen, unsere Teilnehmer, sowie die Helferinnen und Helfer bis zum Ende des Kurses motiviert zu halten, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

    Mit einem guten Gefühl voller Vorfreude blicke ich dem neuen Kurs entgegen.

    Die Deutschlehrer*innen, Foto: privat
    Die Deutschlehrer*innen, Foto: privat
  • Jan
    07

    Aus aktuellem Anlass: Wie geht es einer Frau, die mit geflüchteten Menschen arbeitet?

    Böse Menschen gibt es überall, unabhängig von Religion, Kultur oder Herkunft
    (geschrieben von A.)

    Die derzeitige Meldungen der Medien sind eindeutig: Jeder Sender berichtet über die (sexuellen) Übergriffe in Köln und andernorts.

    Schlimm, was dort passiert ist und ich wünsche keiner Frau, solche Erfahrungen machen zu müssen.

    Es bewegt mich dazu, darüber nachzudenken, wie „sicher“ oder „unsicher“ ich mich bei meiner Arbeit fühle.

    Ich treffe häufig Geflüchtete

    In Einrichtungen, bei Ihnen zu Hause oder wenn wir gemeinsam unterwegs sind. Die meisten wissen sogar, wo ich wohne und kennen meine Wohnung. Bis vor kurzem habe ich mir nichts dabei gedacht. Naiv könnten es manche nennen. Ja, vielleicht…

    Als ich vor einiger Zeit von einem bevorstehenden Termin berichtete, bei dem ich einen Mann in seiner neuen Wohnung treffen würde, um die weitere Planung zu besprechen, fragte Kollegin K., ob ich keine Angst hätte:

    „Nein, was soll mir schon passieren“

    erwiderte ich ganz klar. Sie gab mir ein paar Ratschläge auf den Weg. Ich grübelte und hinterließ schlussendlich die Anschrift meines Termins zu Hause – nur für den Notfall. Der Termin lief reibungslos. Im ersten Moment erschrak ich jedoch darüber, dass nicht nur ein, sondern zwei Männer auf mich warteten. F. hatte noch seinen Neffen S. mitgebracht. Warum wurde schnell klar: S., noch minderjährig, hatte viele Probleme, bei denen er Unterstützung brauchte. Beiden konnte ich erfolgreich helfen.

    Heute freue ich mich immer noch sehr darüber, dass S. sich regelmäßig meldet und mir ein „frohes neues Jahr“ wünscht.

    Kürzlich fragten mich drei junge Männer, ob ich manchmal Angst bei meiner Arbeit mit Geflüchteten habe

    Ich antwortete ganz klar „Nein“ und erklärte ihnen, dass ich den Menschen vertrauen müsse, sonst könnte ich diese Arbeit nicht leisten. Aber ich fügte hinzu, dass sich das sicher ändern würde, wenn mein Vertrauen missbraucht würde. Bisher war das glücklicherweise noch nie der Fall.

    Aus meinen bisherigen guten Erfahrungen heraus steht fest: Ich freue mich über die vielen Begegnungen mit geflüchteten Menschen.

    Oft werde ich gefragt, ob ich verheiratet sei. Die Irritation sind groß, wenn sie hören, dass ich ledig bin.

    Trotzdem werde ich als der Mensch, der ich bin, mit dem Leben, wie ich es führe, akzeptiert und wertgeschätzt

    Im Grunde noch viel mehr als das. Die Menschen, mit denen ich arbeite, geben auf mich Acht, umsorgen mich, beten sogar für mich. Ich werde nach Hause gebracht, wenn es dunkel ist und regelmäßig daran erinnert, mich zu melden, wenn ich Hilfe brauche.

    Natürlich kann ich jedem immer nur vor den Kopf gucken.

    Und leider gibt es überall auf der Welt Menschen, die Böses im Sinn haben

    Die aktuellen Vorkommnisse lassen mich nachdenken und hoffen, dass einfach alles weiter gut läuft.