• Jan
    16

    Mit neuem Schwung in das Jahr 2017

    Was haben wir 2016 erreicht? Wo wollen wir 2017 hin? Was haben wir gut gemacht und was
    müssen wir verbessern?
    Gestern, am 15. Januar 2017, haben sich acht Vorstandsmitglieder über fünf Stunden Zeit
    genommen, um genau diese Fragen zu beantworten. Wir haben gemeinsam reflektiert, Ideen
    gesammelt und Pläne geschmiedet.
    2016 war ein erfolgreiches Jahr. Wir konnten einige Meilensteine setzen, wie zum Beispiel das Büro
    in der Heinrichstraße mit festen Sprechstunden, den Erhalt vieler Förderungen und Preisen, sowie die
    Gründung der Stadtteilgruppe in Eving. Somit haben wir viele Geflüchtete in allen Lebensbereichen
    unterstützt.  
    Dabei fällt uns auf, dass sich Schwerpunkte in unserer Vereinsarbeit verlagern. Dies liegt daran, dass
    kaum neue geflüchtete Menschen in Dortmund ankommen. Somit werden wir die Ausrichtung des
    Vereins im neuen Jahr den aktuellen Gegebenheiten anpassen. Der Fokus im Jahr 2017 wird auf die
    Sprachförderung, die Fort‐ und Weiterbildung, die Integration in den Ausbildungs‐ und Arbeitsmarkt
    sowie auf kulturelles Verständnis gelegt. Erste Schritte, wie zum Beispiel der Sprachtreff oder die
    Planung einer Fortbildungsreihe für Geflüchtete, sind bereits getan. Auch regelmäßige Patentreffen,
    sowie Supervision für Ehrenamtliche, sollen Mitgliedern neue Kraft und einen Platz für Austausch
    bieten.
    Zusätzlich gibt es Projektgruppen in den einzelnen Bereichen des Vereins, um neue Ideen zu
    sammeln, zu strukturieren und in den nächsten Monaten umzusetzen.  
    Dies umfasst auch die Öffentlichkeitsarbeit. Hier werden wir für mehr Transparenz, Informationen
    und langfristige Terminvereinbarungen sorgen, um alle Mitglieder und Interessierte neben dem
    Newsletter bestmöglich auf dem Laufenden zu halten.
    Mehr Informationen folgen in den nächsten Wochen, wir stehen jedoch jederzeit für Rückfragen zur
    Verfügung.
    Im Namen des gesamten Vereins möchten wir uns für Ihre Unterstützung und Ihr Interesse bedanken
    und freuen uns auf ein weiteres erfolgreiches Jahr 2017.  

     
    Der Vorstand von Projekt Ankommen e.V.

  • Okt
    12

    2. Sporttag 2016: Verkehrserziehung und Rad

    Am Samstag, dem 24.09.2016, haben das Projekt Ankommen, ein Quadratkilometer Bildung, der StadtSportBund Dortmund und „Angekommen in Deiner Stadt“ auf dem Gelände des Adam’s Corner am Westpark in der westlichen Innenstadt einen Sporttag zum Thema rund um das Fahrrad veranstaltet. Das Ziel war, Geflüchteten aus Dortmund und Umgebung eine spielerische Einführung in das Thema Fahrradfahren und Sicherheit auf dem Zweirad zu vermitteln. Dazu wurde ein Parcours aufgebaut und eine Fahrradwerkstatt ins Leben gerufen.

    Herrliches Wetter sorgte bei den Beteiligten schon am Vormittag für große Freude beim Aufbau und Austesten des Parcours auf dem gesamten Außengelände. Der Caterer hatte alles pünktlich vorbereitet und konnte neben Kaffee, Tee und Softdrinks auch leckere Würstchen im Brötchen sowie Lahmacun mit Salat anbieten. So war für jeden Geschmack etwas dabei.

    So langsam wurde es voller auf dem Gelände, da auch die eingeladenen Vereine „TrinitasDO“ (Triathlon ) und die „EinRaDo´s“ (Einrad ) ihre Stände aufbauten, um noch mehr Gäste anzulocken. Ab 14:00 Uhr ging es los, doch vorerst blieb es noch ruhig, so dass hauptsächlich Helfer und Freunde den Parcours testeten. Die Schrauber hingegen hatten durchweg zu tun, da im Vorfeld viele Spendenräder abgegeben wurden und auch einige Geflüchtete mit ihrem kaputten oder reparaturbedürftigen Rad vorbeikamen. Gegen 15:00 Uhr tauchte dann eine Gruppe von Betreuern und Geflüchteten aus Hagen auf, die endlich für Action sorgte! Die Jungs und ein Mädchen im Alter von 7 bis 17 Jahren hatten ihren Spaß den Parcours zu durchfahren. Zuerst scheuten sich alle ein wenig und es wurde erstmal das Essen in Anspruch genommen, später gab es dann sogar noch einen kleinen Wettbewerb. Im Vorhinein wurden durch Mitglieder des Aufbauteams Punkte für die jeweiligen Stationen festgelegt, die die Teilnehmer_innen maximal hätten erreichen konnten. Da es mehrere Kinder und Jugendliche schafften, die gleiche Punkteausbeute zu erreichen, war es uns nicht möglich den Gewinner des „Turniers“ festzulegen. Das war ja auch gar nicht so wichtig; Hauptsache, alle hatten Spaß!

    Noch zu erwähnen bleibt, dass es Dank „AnGEkommen in Deiner Stadt“ und den drei kompetenten Schraubern Martin, Nils und Nico sowohl am Sporttag als auch in Zukunft eine Fahrradwerkstatt am Adams Corner geben wird! Das ganze Projekt wurde am Samstag erfolgreich gestartet, die weitere Planung und offizielle Eröffnung wird selbstverständlich noch bekannt gegeben! Aber schon an unserem Sporttag konnten die Jungs schon dem ein oder anderen Fahrrad wieder auf die Sprünge helfen, so dass es wieder auf Hochtouren durch Dortmund fahren kann!

    Schlussendlich kann man festhalten, dass es durch das tolle Wetter und die tolle Zusammenarbeit aller Vereine ein gelungener Tag war, auch wenn wir uns insgeheim noch mehr Besucher_innen erhofft hätten. Es bleibt also abzuwarten, wie es beim nächsten Mal laufen wird!

     

    (Text von Yannick)

  • Jul
    12

    Wir brauchen Ihre Hilfe!

    Unser gemeinnütziges Projekt im Rahmen der Flüchtlingshilfe hat einen großen Bedarf an Spenden und braucht dringend Ihre Unterstützung.
    Wenn Sie etwas von den unten aufgezählten Sachen spenden möchten, setzen Sie sich bitte mit der Sachspendenkoordination über die E-Mail-Adresse sachspenden@projekt-ankommen.de in Verbindung. Senden Sie Ihre Kontaktdaten, nach Möglichkeit Fotos von den abzugebenden Dingen und einen ungefähren Zeitrahmen, der uns für die Abholung verbleibt. Bitte beachten Sie, dass wir regulär eine Vorlaufzeit von mindestens einer Woche benötigen und nur innerhalb Dortmunds oder direkt stadtangrenzend abholen können.

    Küche

    • Funktionsfähige und intakte Standherde, Kühlschränke und Kühlgefrierkombis, Spülmaschinen, Spülen, Ober- und Unterschränke, gerne auch gut erhaltene Einbauküchen, Tische und Stühle, Regale

    Babys und Kinder

    • Kinderwagen, Kinderbetten, Bettzeug, Babybetten, Wickelkommoden, Laufställe, Reisebetten, Babyausstattungen, Hygiene, Spielzeug etc. nach Rücksprache

    Wohnzimmer

    • Garnituren/Sofas/Sessel, Regale, kleine Wohnzimmerschränke/kleine Schrankwände, Kommoden, Teppiche – für den Essbereich gerne Tische und Stühle

    Badezimmer

    • Badezimmerschränke, Spiegelschränke, Haartrockner, Rasierapparate, Hygiene nach Absprache

    Schlafzimmer

    • Betten, Lattenroste, hygienische, gut erhaltene Matratzen, Bettzeug, kleine Kleiderschränke, Kommoden

    Sonstiges

    • Waschmaschinen, Staubsauger, Bügeleisen, Bügelbretter, Wasserkocher, Kaffeemaschinen, sonstige Elektrokleingeräte, Wäscheständer, Spiegel, Lampen, Hausrat allgemein, Bettwäsche, Handtücher, Tischdecken, Gardinen, Vorhänge, Gardinenstangen, Teppiche, Schuhschränke, Garderoben
    • Receiver, Hifi-Anlagen mit Lautsprechern, Fernseher mit Fernbedienungen, Handys, Nähmaschinen.

    Wir leisten keine Wohnungsentrümplungen.
    Es werden nicht angenommen:

    • durchgelegene Matratzen, Matratzen mit Flecken und deutlichen Rändern ebenso für Sofa, Sessel und Garnituren ausgeschlossen.
    • Möbel mit Beschädigungen, die dadurch reparaturbedürftig sind, da uns für diese Arbeiten die Kapazitäten fehlen.
    • Dunkle große, klobige Möbel. Möbel mit Überbauten, Schränke, die breiter als 2,50 m, eventuell wenn sie einzeln zu stellen sind. Betten mit Überbauten.
    • Elektrogeräte mit defekten Kabel, Stecker oder anderweitig defekt sind. Gasherde.
    • Dekorationsartikel im weitesten Sinne.
    • Videokassetten, Musikkassetten, Videorecorder, Bücher.

    Bücher können bitte an Jürgen Bengsch vermittelt werden, es sammelt diese für einen Bücherflohmarkt der zugunsten eines Projektes Aplerbecker Gemeinde mehrmals im Jahr stattfindet. Die Gelder fließen nach Afrika.

    Kontakt über sachspenden@projekt-ankommen.de

    Anfragen bezüglich Kleidung bitte ebenfalls über sachspenden@projekt-ankommen.de stellen.

  • Mai
    05

    Nachrichten aus Idomeni II

    Vorletzten Samstag haben sich Nahid und Alena aus unserem Vorstand auf den Weg nach Idomeni in Griechenland gemacht, um sich vor Ort ein Bild von den Zuständen zu machen und mit anzupacken. Dafür wurden im Vorfeld Spenden gesammelt, mit denen sie die Hilfe vor Ort unterstützen wollen. Hier ist ihr zweiter Bericht.


    Tag 4

    Das Wetter hat sich glücklicherweise wieder stabilisiert und es war ein sonniger wärmer Tag. Heute haben wir vor der Arbeit im Camp das riesige Warehouse besucht. Die Lagerhalle wird von Ehrenamtlichen betrieben und durch Spenden finanziert. Für einige Familien zu denen wir nun engeren Kontakt haben wurden Tüten mit den notwendigsten Dingen zusammen gestellt. Im Camp haben wir die Familien aufgesucht und die Sachen verteilt. Bei immer mehr und intensiver werdenden Gesprächen wird die Hoffnungslosigkeit der Menschen deutlich. Viele haben schon mehrfach versucht über die Grenze zu kommen. Mit harter Gewalt wurden die meisten wieder zurück ins Camp gebracht. Die Menschen erzählen von 5,6 Versuchen. Jedoch schmieden immer mehr, in Anbetracht des Drucks der Regierung hier, erneute Pläne.
    Am Nachmittag haben unsere Unterrichtsstunden stattgefunden. Zu erst haben die Kinder und im Anschluss die Erwachsenen einen Englischkurs auf Farsi von Nahid bekommen. Gleichzeitig hat Amir, ein Junge der uns sehr schnell ans Herz gewachsen ist, Deutschunterricht von Alena erhalten. Mit Hilfe des selbst gebastelten Deutschbuchs wurde fleißig das ABC und die ersten Vokabeln gelernt.

    Tag 5

    Unser Tag begann wieder früh im Camp. Man sieht Orte, an denen ein Tag zuvor noch Zelte standen. Die Menschen sind weg. Die überall spürbare Unruhe wird auch im Umgang mit den Kindern sehr deutlich. Im Minutentakt streiten sich Kinder  und die meiste Zeit verbringen wir damit Eskalationen zu verhindern. Die Kinder spiegeln die Stimmung im Camp sehr deutlich wieder. Wieder verteilen wir Kleidung und andere Notwendigkeiten an Familien. im Hinterkopf die Vermutung, sie benötigen die Dinge für die weitere Flucht. Auf dem Rückweg trifft Nahid Amir und seine Mutter. Sie kann Ihnen noch Kleinigkeiten mit auf den Weg geben und dann sind sie weg. Einer aus der Gruppe sagt noch, dass er Amir sagte er solle nicht so viel mitnehmen. Als Nahid schaut was er gepackt hatte sieht sie in seinem Schlafsack sein „Deutschbuch“.
    Bei Gesprächen mit Farsi sprechenden Menschen treffen wir immer wieder auf Menschen, die dort nicht richtig zu sein scheinen. dabei handelte es sich heute häufig um „Missionare“, die probierten die Menschen dort zu ihrem Glauben zu bekehren. Unsere Wut darüber ist fast grenzenlos. Uns scheint als hätten die Menschen dort im Moment sicher andere Probleme als darüber nachzudenken Zeugen Jovoas oder Evangelikale zu werden. Immer mehr Menschen erzählen von ihren Plänen. Die Farsiklasse ist deutlich geschrumpft. Und wir wissen, dass auch in den nächsten Tagen einige nicht mehr kommen werden.
    Nach der Arbeit im Camp haben wir noch einen kurzen Stop gemacht um für Nasrin, ein junges Mädchen, das jeden Tag im CultureCenter arbeitet ein Packet mit den nötigsten Sachen für eine junge Frau zusammen zu stellen.

    Tag 6

    Nach dem zur Routine werdenden Besuch im Warehouse starten wir unseren Tag im Camp. Die Kinder stehen immer schon ab 09:00 Uhr vor dem Tor um endlich ins Center zu kommen. Nach Ankommen und Toben werden die ersten Aktivitäten angeboten. Je nachdem welche Ehrenamtlichen (Leute wie wir oder Bewohner des Camps) dort sind wird Sport, Yoga, Musik oder Schach angeboten. Danach werden die bis zu 150 Kinder grob nach Alter aufgeteilt. Für die Kleinen heißt es dann erst mal eine Runde malen und nach dem üblichen Toilettengang wird gespielt. Für die Größeren wird Mathe, Englisch, arabisch oder kurdisch angeboten. Dank der Kooperation mit dem Hotfood Idomeni Team werden die Kinder mit Frühstück und Mittagessen versorgt. Ab Ca. 13:30/14:00 heißt es für die Ehrenamtlichen durchatmen. Für uns heißt es meist durch das Camp zu laufen und die mitgebrachten Kleiderspenden zu verteilen. Zwischen 15:00 und 15:30 beginnt der Farsi Unterricht für die Kleinen und Amirs Einzelunterricht. Im Anschluss werden die Erwachsenen unterrichtet. Englisch für Anfänger und Fortgeschrittene wird von 17:00-18:00 angeboten. Von 18:00-19:00 findet der Deutschkurs für Erwachsene statt. Sonntags gibt es ein wechselndes kulturelles Angebot für alle Interessierten.

    An diesem Tag starten wir unsere Vormittagstour wie üblich. Als wir mit den ersten Farsi sprechenden Menschen in Kontakt kommen, hören wir direkt, dass Amir uns seine Familie wieder zurück im Camp sein sollen. Wir gehen direkt zu ihrem Zelt, nehmen Platz und hören uns ihre Geschichte an…

    Tag 7

    Während unsere Arbeit im Center immer strukturierter wird, werden unsere Gespräche mit den Bewohnern im Camp immer intensiver. Die Menschen fassen Vertrauen und erzählen von ihren Leben in der Heimat, dem Weg bis zum Camp und ihren weiteren Plänen. Hier erleben wir ähnliches wie bei der Arbeit zu Hause, die Berichte berühren einen und lassen uns so schnell nicht mehr los. Eins jedoch unterscheidet sich, man weiß, dass die Geschichte hier im Camp in Idomeni noch kein Ende gefunden hat…
    Auch heute wurden wieder Flugblätter an die Bewohner verteilt. Auf griechisch, arabisch und Farsi war zu lesen: “ die Grenzen sind zu und bleiben zu. Sie können in offiziellen Camps für Flüchtlinge gehen.  Dort haben wir für Sie eine Wohnmöglichkeit und Essen vorbereitet. Sie müssen mit den Behörden kooperieren, damit Sie dort hin gebracht werden. Asylanträge können nur in diesen Camps gestellt werden.“ Auch dies hat wieder zur Unruhe unter den Bewohnern geführt. Der Buschfunk im Camp trug an diesem Tag herum, dass die Grenze morgen am 01.05. geöffnet werden solle. Für den morgigen Tag wurden mögliche Ausschreitungen erwartet.

    Tag 8

    Ein Tag sowas wie Urlaub… Da am Sonntag kein normales Angebot in Center stattfindet wurde die Anzahl der Ehrenamtlichen auf ein Minimum reduziert. Wir haben den Tag genutzt um das Meer nicht nur vom Flugzeug aus gesehen zu haben. Schnell haben wir jedoch gemerkt, für den Kopf gab es keine wirkliche Pause.
    (Text und Bilder: Alena und Nahid)
  • Apr
    27

    Nachrichten aus Idomeni

    Letzten Samstag haben sich Nahid und Alena aus unserem Vorstand auf den Weg nach Idomeni in Griechenland gemacht, um sich vor Ort ein Bild von den Zuständen zu machen und mit anzupacken. Dafür wurden im Vorfeld Spenden gesammelt, mit denen sie die Hilfe vor Ort unterstützen wollen. Hier ist ihr erster Bericht.


     

    Anreise

    Von Düsseldorf ging es für uns am Samstag den 23.04. nach Thessaloniki. Einen Mietwagen haben wir schnell gebucht und sind auf die Suche nach einem Zimmer gegangen. Zu unserem Glück war noch ein Zimmer im Parkhotel in Polykastro für uns frei. Von hier aus wird ein Großteil der ehrenamtlichen Arbeit in Idomeni, aber auch in den kleineren umliegenden Camps wie der ECO Tankstelle koordiniert. Tage später werden wir hier auch Eva treffen. Sie hat für die Ehrenamtlichen des Projekt Ankommen ein Seminar für den Umgang mit traumatisierten Menschen gegeben.

    Tag 1 in Idomeni

    Sonntag haben wir den ersten Tag im Camp in Idomeni verbracht. Die meiste Zeit waren wir damit beschäftigt uns einen Überblick zu verschaffen. Auch wenn es einige tausend Menschen weniger sind, als noch vor ein paar Wochen, sind die Ausmaße des Camps kaum zu überblicken. Aktuell Leben mehr als 10.000 Menschen im Camp. Mehr als die Hälfte sind Kinder. Es gibt ein paar wenige große Zelte von Hilfsorganisationen, aber die meisten Menschen schlafen in Igluzelten , liegen gebliebenen Zügen oder im brach liegenden Gebäuden entlang der Gleise.
    Um einen Einblick über die Strukturen dieses Mikrokosmos und den Aufbau des Camps zu bekommen halfen wir unabhängigen Ehrenanmtlichen dabei 5.000 Bananen an Kinder und Schwangere zu verteilen. Dabei unterstützt wurden wir von den zahlreichen kleinen Helfern, die uns wie Guides durch das Camp führten und für uns übersetzten. Hier trafen wir auch zum ersten Mal auf das Culture Center und wir entschlossen uns schnell unsere Hilfe die nächsten Tage dort einzubringen.
    Auf den ersten Blick scheint es durch den Staat nur wenig Hilfe zu geben. Hilfsorganisationen und unabhängige Ehrenamtliche sind stets präsent.

    Tag 2

    Von 09:30-19:00 haben wir im Culture Center gearbeitet. Am Vormittag haben wir mit den Kindern Sport gemacht, bei der Essensausgabe geholfen und die Kinder zum stillen Örtchen begleitet. Am Nachmittag war Nahid als Farsi und Englisch (für Farsi Sprechende SchülerInnen) Lehrerin sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene aktiv. Wir merkten schnell, dass es wohl ein paar Tage dauern wird um einen Überblick der Abläufe zu bekommen.
    Während der Pausen für uns und den Unterrichtszeiten der Kinder waren wir im Camp unterwegs und haben mit den Leuten gesprochen. Wie zu erwarten war mangelt es hier an allem. Wie die Europäischen Staaten dabei zu sehen können, wie die Menschen hier krank werden und an Hunger leiden ist von hier aus noch unfassbarer. Ein Schicksal das viele Menschen teilen: Die meisten Menschen haben die Zustände von Krieg und Terror in ihren Heimatländern hingenommen, da es keine wirkliche Alternative für sie gab. Nachdem in Deutschland aus der Not heraus viele Menschen aufgenommen wurden, haben sich viele erst auf den Weg gemacht. Sie haben ihr komplettes Hab und Gut verkauft um sich in Europa ein neues , friedliches Leben aufzubauen. Nun sitzen sie in Idomeni fest und kommen nicht weiter. Aber auch der Weg zurück (den inzwischen viele Menschen wieder auf sich nehmen würden) ist verbaut. Menschen die viele Jahre bereits in anderen Ländern gelebt haben werden in die Ursprungländer zurück geschickt. Viele haben keine Pässe mehr und auf Flucht oder Wechsel der Religionszugehörigkeit steht Gefängnis bzw. die Todesstrafe.

    Tag 3

    Auch an diesem Tag begann die Arbeit früh. So langsam bekamen wir einen Durchblick und wissen wo wir uns sinnvoll einbringen können. Für die Menschen im Camp war es ein Tag, der noch schlechter war als die Anderen. Zwar schien die Sonne aber schon in der Nacht begann ein sehr starker Wind, der den ganzen Tag über anhielt. Das Camp das gestern noch einer kleinen Zeltstadt ähnelte, sieht nun aus wie ein Trümmerfeld. Die meisten der Igluzelte sind zerstört und die Menschen probieren ihr Hab und Gut so gut es geht zu schützen. Bei vielen zeigte sich im Laufe des Tages, dass sie nicht wussten wo sie die nächste Nacht verbringen sollten.
    Ein weiteres Problem im Camp, das sich hier so wie in jeder „Gesellschaft“ entwickelt hat, ist Rassismus. Minderheiten werden unterdrückt und bekommen jeden Tag Abneigung zu spüren. In den Essensschlangen stehen sie stets hinten, egal wie lange sie schon anstehen. Viele hatten seit sie hier sind noch keine Wärme Dusche, da ihnen das Recht darauf verwehrt bleibt.

    Die Politik, die dafür sorgt, dass die Menschen hier festsitzen fördert auch in Europa den Wachstum von Schlepperorganisationen. Die Menschen, die es sich leisten können, haben die Möglichkeit für eine Summe von ca. 2.500€ pP über die Grenze gebracht zu werden. Für viele Menschen im besonderen Familien mit mehreren Kindern eine nicht aufzubringende Summe.

    Spenden

    Durch die tolle Unterstützung von Ehrenamtlichen, Familie, Freunden und des Käthe Kollwitz Gymnasiums konnten wir 3.250€ mit nach Idomeni nehmen. davon gingen bisher 750€ an das „Banana Team“ die jeden Tag 5.000 Bananen an Kinder und schwangere Frauen verteilen. Weitere 750€ gingen an die Organisatoren von „Hot Food Idomeni“. Das Team bereitet täglich mehrere Tausend warme Speisen zu. 530€ gingen an das Culture Center, in dem wir vorerst täglich mitarbeiten. Die Kinder bekommen dort Unterricht und andere Freizeitangebote. Zudem werden sie sowohl mit Frühstück als auch mit Mittagessen versorgt.

    (Text und Bilder: Alena und Nahid)

  • Aug
    27

    Spielt es eigentlich eine Rolle…

    Alena berichtet:

    „…wo die Menschen herkommen? Immer wieder, wenn ich mich mit anderen Vereinsmitgliedern oder Freunden austausche, begegnet mir die Frage: „Woher kommt denn Familie XY?“. Und immer wieder muss ich sagen: „Ich habe keine Ahnung… sie haben dunkle Haut. Ich würde tippen, aus einem afrikanischen Land.“
    Natürlich weiß ich, dass es in diesen Unterhaltungen um den informellen Austausch geht, besonders im Bezug z.B. auf Asylverfahren. Aber ich komme mir dann trotzdem immer ein bisschen dumm vor. Warum frage ich nicht? Mangelndes Interesse? Das würde ich wohl erst mal verneinen. Aber ich frage nicht, weil es für mich in Bezug auf einen Umzug oder eine gemeinsame Freizeitaktivität keine Rolle spielt. Ich habe z.B. M. mit ihren beiden  zuckersüßen Kindern richtig gern. Sie kommen aus Afrika, ja, da bin ich mir sicher. Sie sprechen auch portugiesisch, aha. Ich unterhalte mich mit ihnen auf Englisch, Punkt. Wir verbringen immer eine tolle Zeit zusammen, PUNKT.

    Mich macht die Unterscheidung der Medien von Geflüchteten erster und zweiter Klasse wahnsinnig. Denn jeder Mensch, der als Geflüchteter zu uns nach Dortmund kommt, hat seinen Grund. Häufig weiß ich ihn nicht. Es geht mich auch manchmal einfach nichts an. Wenn man sich näher kennenlernt, erzählen die Leute irgendwann von sich aus. Aber für mich muss es nicht sein, schlimme und traumatisierende Geschichten immer und immer wieder erzählen zu müssen. Ja, die Menschen haben ihre Gründe. Und wenn der Grund der ist, seinen Kindern vor dem Verhungern retten zu wollen, ihnen eine sichere Zukunft und Perspektiven zu ermöglichen. Vor Krieg, Folter, Vergewaltigung zu fliehen. Dann ist das verständlich. Ich bin keine Mutter. Aber verstehen tue ich es trotzdem.

    Leider ließ sich für M. mit ihren Kindern aktuell noch keinen Paten finden. Wer also Lust hat die Betreuung mit mir gemeinsam zu übernehmen, kann gerne eine PN an unsere Facebook-Seite schreiben.“

    Text: Alena Mörtl

  • Aug
    24

    Familienzusammenführung!!!

    Alena berichtet…

    Teil 2

    „Tag 2 der Suche nach M.s Bruder.

    Wir haben uns für 13:00 Uhr verabredet. M. hat für ihren Bruder eine Tüte mit Kleidung dabei. Wir machen uns auf den Weg nach Wickede an der Ruhr. Die Autobahn ist mal wieder überfüllt und der Weg zieht sich unnötig.

    Als wir den Berg Richtung Unterkunft hoch fahren, kommen uns viele Menschen entgegen, die man augenscheinlich der Unterkunft zuordnen kann. Die Leute nehmen einen langen Fußweg bergauf und bergab auf sich um in das „Zentrum“ der Stadt zu gelangen.

    Wir gehen an die Pforte und äußern unser Anliegen. M. schreibt den Namen ihres Bruders auf. Der Pförtner schaut im PC. Er teilt uns mit, dass unter diesem Namen kein Bewohner registriert sei… Das Herz rutscht uns ein zweites Mal in die Hose. M. ruft ihren Bruder an. Nach kurzer Zeit kommt er den Weg herunter gelaufen. Wir haben es geschafft. Wir sind diesmal richtig und haben ihn gefunden. Es zeigt sich, dass er unter einem falschen Namen registriert wurde und man ihn deshalb im System nicht finden konnte.

    Wir gehen rein und suchen Betreuungspersonal. Wir teilen mit, dass der Name falsch geschrieben ist. Da er aber bisher noch nicht als Asylsuchender registriert wurde, scheint dies aktuell noch nicht relevant zu sein. Weiter erkundigen wir uns, ob es eine Möglichkeit gibt, an entsprechender Stelle den Wunsch zu äußern, dass der junge Mann gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Schwester in Dortmund leben möchte. Man könne dies bei der Bezirksregierung auf dem Gelände tun. Natürlich befinden wir uns außerhalb der Öffnungszeiten.

    Somit setzen wir uns erst mal hin und quatschen. Die beiden unterhalten sich und M. übersetzt mir immer wieder die wichtigsten Inhalte. Auch das ist etwas, woran ich mich schnell gewöhnt habe. Am Anfang kam ich mir immer irgendwie „blöd“ vor, daneben zu sitzen und nichts zu verstehen. Aber genau so geht es unseren neuen Freunden ja auch immer wieder.

    Also habe ich in der Zeit ein kleines Schreiben vorbereitet, welches der Bruder zu seinem Termin zur Registrierung mitnehmen soll. Ich habe ein paar Informationen zusammen gefasst, dass seine Geschwister in Dortmund leben usw. Zudem hat er ein Zettel bekommen, auf dem sein Name noch einmal richtig geschrieben steht. Mehr können wir in dem Moment nicht tun.

    Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg zurück nach Dortmund. M. ist sichtlich froh ihren Bruder nach langer Zeit wieder gesund in die Arme schließen zu können. Jetzt sind wir beide müde…“

    Text: Alena Mörtl

  • Aug
    22

    `Behördendeutsch` meets teamwork..

    Karina berichtet:

     

    „Schon vor zwei Wochen war ich bei R. und seiner Frau, da er Post von der Deutschen Rentenversicherung bekommen hat. R. ist Serbe, hat einige Jahre in Deutschland gearbeitet und ist jetzt mit seiner kranken Frau hier.
    Als zu Beginn ein Aufruf über die Facebook-Gruppe `Flüchtlingshilfe Adlerstrasse` kam, dass Dolmetscher gesucht werden, habe ich meine serbisch-sprachige Kollegin eingepackt und bin mit ihr in die Einrichtung gefahren. Da haben wir die beiden kennengelernt. Für mich ein absolutes Schlüsselerlebnis:
    Ich bin zum ersten Mal in einer Notunterkunft, überall Menschen, Lärm, Kindergeschrei; so ein Schulflur schallt halt auch extrem. Ich fühle unbehaglich, weil man jetzt mittendrin ist. Mittendrin in diesem Flüchtlingsdrama, unter konkreten Menschen mit ihren schlimmen Schicksalen. Was sich komplett anders anfühlt, als wenn man es im Fernsehen oder Internet verfolgt.
    Sprachenwirrwarr… Und meine Kollegin, die einige auf serbisch anspricht. Und plötzlich um mich herum, 10 bis 15 Leute, ich verstehe kein Wort. Ich spüre aber genau, wie dankbar und glücklich sie sind, dass da plötzlich jemand da ist, der ihre Sprache spricht.
    Irgendwann ist R. da und dreht fast durch vor Freude. Seine Augen blitzen und er lacht, weint fast vor Freude und Dankbarkeit, einfach nur weil er jemanden trifft, der offenbar beide Seiten kennt. Wahnsinn…
    So war das also… Seitdem weiß ich, es gibt kein Zurück. Ich werde aktiv werden und kann nicht mehr weggucken. Meine 10jährige Nichte würde sagen: „Es ist Deine fu**ing Pflicht, zu helfen!“
    Und sieben Monate später, nach vielen Treffen, einem Umzug usw., sitze ich jetzt mit R., seiner Frau und Lilo in R´s Wohnzimmer und sortiere Gedanken und Unterlagen. Meine Kollegin ist im Urlaub und wir haben keinen anderen Übersetzer: Ein siebenseitiger Vordruck mit vielen verwirrenden Fragen nach einer Krankenkassennummer und was weiß ich noch. Oha…
    Wenn Ihr den Blog bisher verfolgt habt, wisst Ihr, dass ich selbst Beamtin bin. Zwar in einem anderen Gebiet, aber immerhin. Ich bin Deutsche und kenne die Sprache und das `System` zumindest ein bisschen. In meinem bisher einzigen Blogeintrag habe ich geschrieben, dass ich mich mit Formularen auskenne. Ha! Pustekuchen!
    Ein Glück bin ich ja aber nicht allein bei R. Lilo ist auch da. Weil Helga im Urlaub ist. Beide unterstützen mich ganz wunderbar. Inzwischen ist es auch eher so, dass ich sie unterstütze. Sie haben regelmäßig Kontakt zu R., besuchen ihn, wohnen in der Nähe, kümmern sich. Gut so. Denn ich bin derzeit beruflich eingespannt und mache anderen Organisationskram für den Verein.
    Gestern schreibt mir Lilo, dass R. den Vordruck endlich unterschrieben und abgeschickt hat. Ich bin erleichtert und gespannt, wie es weitergeht..
    Ich möchte Euch also folgende Dinge ans Herz legen:
    1. Ja, es ist oft emotional, schwierig, und der Sprung ins kalte Wasser. Aber es geht. Irgendwie kriegt man es hin. Und wenn der Behördenkram nicht ganz richtig ausgefüllt ist, telefoniert man halt mit dem jeweiligen Sachbearbeiter/der jeweiligen Sachbearbeiterin und klärt es. Und man lernt dazu und weiß es beim nächsten Mal besser.
    2. Habt keine Angst. Geht nicht, gibt´s nicht. Macht es im Team oder fragt Leute, die sich schon besser auskennen und bereits Erfahrung haben. Ich bin so froh, dass wir das serbische Paar inzwischen mit vier Leuten betreuen. Gemeinsam ist das einfacher und jeder lernt von jedem.
    3. Gebt den Menschen Zeit. Sie haben viel hinter sich, sind traumatisiert, kennen die Sprache nicht, vermissen ihre Familien. Wie, verdammt noch mal, sollen die den Papierkram erledigen, wenn man selbst dabei an seine Grenzen stößt?
    4. Es ist unsere „fu**ing Pflicht“ zu helfen, aber es fühlt sich auch verdammt gut an!!

     

    Text: Karina Meyer

  • Aug
    22

    Familienzusammenführung?

    Alena berichtet (21.08.):

    „Gestern hatte ich meinen ersten Elternabend… Mensch, die Kleinen werden so schnell groß ;-). Aber ich muss ein bisschen weiter vorne anfangen. Also…

    M. besucht nun im zweiten Jahr eine Auffangklasse. Sie schlägt sich super und ist sehr fleißig. Da N., die sie sonst bei solchen Terminen begleitet und unterstützt, keine Zeit hatte, hat M. gefragt ob ich sie begleiten könne. Wir trafen uns am späten Nachmittag, um gemeinsam zur Schule zu fahren. Als wir gemeinsam mit F. noch ein bisschen plauderten, erzählte sie ganz beiläufig, dass ihr zweiter Bruder seit ca. drei Tagen in Deutschland und zufälligerweise in Dortmund sei. Die beiden haben sich schon viele Monate nicht mehr gesehen. Da die drei Geschwister gemeinsam ihre Flucht starteten und nur zwei von ihnen in Deutschland ankamen, war lange Zeit nicht klar, ob der Bruder noch lebt. Nun hat auch er es nach Deutschland geschafft. Leider hatten die Geschwister noch nicht die Möglichkeit, sich zu treffen.

    Für mich irgendwie klar: Wir sind ohnehin zusammen mit dem Auto unterwegs, wollen wir ihn danach besuchen? M. war im ersten Moment mit diesem Angebot etwas überfordert, freute sich dann aber sehr. Gut, aber jetzt erst mal der Elternabend…

    Die wichtigsten Informationen wurden mitgeschrieben. Die Tatsache, dass ich die einzige Person war, die einen Stift dabei hatte, beruhigte mich irgendwie. Die Lehrer sprachen auf drei Sprachen. Alles wirklich nett. Aber unsere Geduld nahm immer mehr ab.

    Auf M.s Wunsch klärte ich die letzten wichtigsten Dinge ab und wir verließen die Veranstaltung kurz vor Ende. Der Bruder wurde informiert, wir sind auf dem Weg nach Wickede. Wir meldeten uns an. Der Pförtner fand den Namen des Bruders auf der Liste nicht. Da er aber erst seit max. 3 Tagen dort sein kann, läge es wohl daran. M. probierte mehrfach, ihren Bruder zu erreichen. Keiner da. Endlich kam der Rückruf. Der Bruder reichte das Telefon an eine Person weiter, die ein bisschen Deutsch sprach und die Adresse mitteilen konnte. M. an mich. Der Mann erklärte mir, sie seien gerade in Wickede…. Wickede an der Ruhr… Google, Google Maps. Das klang alles nach einem schlechten Scherz. Noch mal 40 Minuten fahren? Und das um fast 21 Uhr? Das müssen wir wohl verschieben. Ein bisschen müde und geknickt fuhren wir nach Hause.

    Neuer Tag, neues Glück. Heute werden wir uns treffen und zu der richtigen Unterkunft im richtigen Wickede fahren.

    Drückt uns die Daumen, dass die beiden sich heute endlich wieder sehen können!!!!“

    Fortsetzung folgt…

     

    Text: Alena Mörtl

  • Aug
    21

    Neues von „Muddi“

    Meike berichtet:

    „Am 25. Mai habe ich an dieser Stelle berichtet, wie wir unsere Muddi mit ihren sechs Kindern in einer Wohnung unterbrachten. Nun ist ein wenig Zeit vergangen… was ist seitdem passiert?

    Hilfe für Geflüchtete bedeutet für mich nicht nur, ihnen ein Bett hinzustellen und nach Hause zu gehen. Es bedeutet, sie an die Hand zu nehmen und sich selbst an die Hand nehmen zu lassen. Für mich bedeutet es, zu helfen und selbst dabei zu wachsen.

    Nachdem wir Ende Mai den Umzug gewuppt hatten, war ich ein bisschen ratlos. Welche Aufgaben stehen nun an? Denn ich bin von der Auszugshilfe den direkten Weg zur Patenschaft gegangen und da ist die Aufgabe nicht erledigt, wenn man sich den Staub abgeklopft hat und weiß, dass gekocht und geschlafen werden kann.

    Ich habe mit Muddi gesprochen und ihr einen Vertrag für Fernsehen und Internet gemacht. Toll fand ich, dass sie sich selbstständig um einen gebrauchten Rechner mit Monitor gekümmert hat, der irgendwann im Wohnzimmer stand.

    Wir haben Kinder in Schulen angemeldet und standen gemeinsam in der Warteschlange beim Ticketcenter, um Schokotickets zu bekommen und alte Tickets von der Flüchtlingsunterkunft auszutauschen.

    Wir haben überlegt, was die Kinder brauchen – Kinder brauchen nicht nur einen Schulplatz und ein Bett. Unsere Kinder brauchten: Fußball. Gemeinsam fanden wir für die drei fußballbegeisterten Jungs einen Verein. Ob sie wohl hingehen? – Bei Kindern weiß man nie, wie lange das Hobby anhält. Ich habe als Kind/Jugendliche immer alles nach ein paar Wochen wieder aufgegeben.

    Der Älteste möchte gerne ins Fitnessstudio gehen. Wir haben gemeinsam geschaut, welches in der Nähe ist und nicht zu teuer und ob er mit 16 schon dahin gehen darf. Er darf, aber Muddi muss mit und unterschreiben. Das gefällt ihm nicht so sehr. 😉


    Letztens hatten wir Pause. Ich war im Urlaub. Als ich wiederkam, habe ich mich mit Muddi in der Stadt getroffen. Sie hatte den Ordner dabei mit ihren Unterlagen, den ich ihr geschenkt hatte, in meinem Jutebeutel, sie strahlte mich an und sagte „It’s been a long time“.

    Im Mai besuchte ich eine Geflüchtete mit sechs Kindern in einer städtischen Unterkunft. Letzte Woche traf ich unsere Muddi in der Stadt und wir unterhielten uns darüber, dass die Jungs nun Fußballtraining haben und die Schule wieder angefangen hat. Irgendwie war ich gerührt.“

    Text: Meike Hermawapelhorst