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  • Jun
    03

    Gesegneter Ramadan

    Mit Traditionen soll man nicht brechen – Fasten schon

    (von Alena)

    Seit unserem Start mit Projekt Ankommen ist nun knapp mehr als ein Jahr vergangen. Eine bewegende Zeit mit Höhen und Tiefen. Eine Zeit, die ich nicht zurück drehen möchte und bis heute sehr genieße.

    Die Arbeit hat viele neue Menschen und vor allem Freunde in mein Leben gebracht

    Einen Teil der Menschen kenne ich seit ihrem Start in Dortmund vor 1,5 Jahren, einige seit ihrem Auszug aus der Unterkunft Ende letzten Jahres. Wir durchleben immer noch sehr intensive Augenblicke, in denen wir nicht nur unsere gemeinsame Zeit, sondern auch Freuden und Sorgen teilen. Wir bemerken, wie wir immer häufiger von „Früher“ sprechen. Früher ist hier natürlich überschaubar, aber wir betrachten die zurückliegende Zeit mit strahlenden Gesichtern. Wir erzählen den Freunden, die noch nicht so lange bei uns sind, was wir letztes Jahr tolles unternommen haben und dieses Jahr Neues ausprobieren werden. Eins der Dinge, das sich dieses Jahr und auch in den nächsten Jahren wiederholen wird, ist der Fastenmonat Ramadan. Im vergangenen Jahr habe ich Ramadan zum ersten Mal, mit allem, was dazu gehört, verfolgt. Ich selber habe mich damals dazu entschieden, meinen eigenen „kleinen“ Fastenmonat einzulegen. Vier Wochen kein Alkohol. Nichts im Vergleich zum eigentlichen Fasten, aber mein Weg, die Jungs zu begleiten.

    Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang ist allen Fastenden Essen und Trinken erlaubt

    Wir entschieden uns, einmal in der Woche gemeinsam zu kochen und das Fasten zu brechen. Wie sich zeigte, eine neue Tradition in unser aller Leben: Tolle Abende beim gemeinsamen Schlemmen und Genießen. Schon damals waren wir Deutsche, Syrer, Afghanen, fastende Muslime und nicht fastende Muslime. Alle haben mitgeholfen und gemeinsam die Lieblingsspeisen der Anwesenden zubereitet. Aber auch an fast allen anderen Abenden aßen wir gemeinsam dort, wo die Menschen lebten und ich freute mich immer, zu beobachten, wie plötzlich die Energie der Leute zurückkam – zu einer Zeit, zu der ich normalerweise im Bett liege und schlafe.  Auch in diesem Jahr wollen wir Ramadan wieder gemeinsam erleben. Ich werde wieder meinen „kleinen“ Ramadan durchführen. Die erste Freundin hat sich schon angeschlossen.

    Eine veränderte Gruppenkonstellation im Vergleich zum letzten Jahr, jedoch genauso bunt

    Die ersten Wunschgerichte sind notiert und die Vorbereitungen starten langsam. Ich freue mich auf diese und viele neue gemeinsame Traditionen.

    Ab Montag heißt es wieder: „Ramadan mubarak“

     

  • Mai
    05

    Nachrichten aus Idomeni II

    Vorletzten Samstag haben sich Nahid und Alena aus unserem Vorstand auf den Weg nach Idomeni in Griechenland gemacht, um sich vor Ort ein Bild von den Zuständen zu machen und mit anzupacken. Dafür wurden im Vorfeld Spenden gesammelt, mit denen sie die Hilfe vor Ort unterstützen wollen. Hier ist ihr zweiter Bericht.


    Tag 4

    Das Wetter hat sich glücklicherweise wieder stabilisiert und es war ein sonniger wärmer Tag. Heute haben wir vor der Arbeit im Camp das riesige Warehouse besucht. Die Lagerhalle wird von Ehrenamtlichen betrieben und durch Spenden finanziert. Für einige Familien zu denen wir nun engeren Kontakt haben wurden Tüten mit den notwendigsten Dingen zusammen gestellt. Im Camp haben wir die Familien aufgesucht und die Sachen verteilt. Bei immer mehr und intensiver werdenden Gesprächen wird die Hoffnungslosigkeit der Menschen deutlich. Viele haben schon mehrfach versucht über die Grenze zu kommen. Mit harter Gewalt wurden die meisten wieder zurück ins Camp gebracht. Die Menschen erzählen von 5,6 Versuchen. Jedoch schmieden immer mehr, in Anbetracht des Drucks der Regierung hier, erneute Pläne.
    Am Nachmittag haben unsere Unterrichtsstunden stattgefunden. Zu erst haben die Kinder und im Anschluss die Erwachsenen einen Englischkurs auf Farsi von Nahid bekommen. Gleichzeitig hat Amir, ein Junge der uns sehr schnell ans Herz gewachsen ist, Deutschunterricht von Alena erhalten. Mit Hilfe des selbst gebastelten Deutschbuchs wurde fleißig das ABC und die ersten Vokabeln gelernt.

    Tag 5

    Unser Tag begann wieder früh im Camp. Man sieht Orte, an denen ein Tag zuvor noch Zelte standen. Die Menschen sind weg. Die überall spürbare Unruhe wird auch im Umgang mit den Kindern sehr deutlich. Im Minutentakt streiten sich Kinder  und die meiste Zeit verbringen wir damit Eskalationen zu verhindern. Die Kinder spiegeln die Stimmung im Camp sehr deutlich wieder. Wieder verteilen wir Kleidung und andere Notwendigkeiten an Familien. im Hinterkopf die Vermutung, sie benötigen die Dinge für die weitere Flucht. Auf dem Rückweg trifft Nahid Amir und seine Mutter. Sie kann Ihnen noch Kleinigkeiten mit auf den Weg geben und dann sind sie weg. Einer aus der Gruppe sagt noch, dass er Amir sagte er solle nicht so viel mitnehmen. Als Nahid schaut was er gepackt hatte sieht sie in seinem Schlafsack sein „Deutschbuch“.
    Bei Gesprächen mit Farsi sprechenden Menschen treffen wir immer wieder auf Menschen, die dort nicht richtig zu sein scheinen. dabei handelte es sich heute häufig um „Missionare“, die probierten die Menschen dort zu ihrem Glauben zu bekehren. Unsere Wut darüber ist fast grenzenlos. Uns scheint als hätten die Menschen dort im Moment sicher andere Probleme als darüber nachzudenken Zeugen Jovoas oder Evangelikale zu werden. Immer mehr Menschen erzählen von ihren Plänen. Die Farsiklasse ist deutlich geschrumpft. Und wir wissen, dass auch in den nächsten Tagen einige nicht mehr kommen werden.
    Nach der Arbeit im Camp haben wir noch einen kurzen Stop gemacht um für Nasrin, ein junges Mädchen, das jeden Tag im CultureCenter arbeitet ein Packet mit den nötigsten Sachen für eine junge Frau zusammen zu stellen.

    Tag 6

    Nach dem zur Routine werdenden Besuch im Warehouse starten wir unseren Tag im Camp. Die Kinder stehen immer schon ab 09:00 Uhr vor dem Tor um endlich ins Center zu kommen. Nach Ankommen und Toben werden die ersten Aktivitäten angeboten. Je nachdem welche Ehrenamtlichen (Leute wie wir oder Bewohner des Camps) dort sind wird Sport, Yoga, Musik oder Schach angeboten. Danach werden die bis zu 150 Kinder grob nach Alter aufgeteilt. Für die Kleinen heißt es dann erst mal eine Runde malen und nach dem üblichen Toilettengang wird gespielt. Für die Größeren wird Mathe, Englisch, arabisch oder kurdisch angeboten. Dank der Kooperation mit dem Hotfood Idomeni Team werden die Kinder mit Frühstück und Mittagessen versorgt. Ab Ca. 13:30/14:00 heißt es für die Ehrenamtlichen durchatmen. Für uns heißt es meist durch das Camp zu laufen und die mitgebrachten Kleiderspenden zu verteilen. Zwischen 15:00 und 15:30 beginnt der Farsi Unterricht für die Kleinen und Amirs Einzelunterricht. Im Anschluss werden die Erwachsenen unterrichtet. Englisch für Anfänger und Fortgeschrittene wird von 17:00-18:00 angeboten. Von 18:00-19:00 findet der Deutschkurs für Erwachsene statt. Sonntags gibt es ein wechselndes kulturelles Angebot für alle Interessierten.

    An diesem Tag starten wir unsere Vormittagstour wie üblich. Als wir mit den ersten Farsi sprechenden Menschen in Kontakt kommen, hören wir direkt, dass Amir uns seine Familie wieder zurück im Camp sein sollen. Wir gehen direkt zu ihrem Zelt, nehmen Platz und hören uns ihre Geschichte an…

    Tag 7

    Während unsere Arbeit im Center immer strukturierter wird, werden unsere Gespräche mit den Bewohnern im Camp immer intensiver. Die Menschen fassen Vertrauen und erzählen von ihren Leben in der Heimat, dem Weg bis zum Camp und ihren weiteren Plänen. Hier erleben wir ähnliches wie bei der Arbeit zu Hause, die Berichte berühren einen und lassen uns so schnell nicht mehr los. Eins jedoch unterscheidet sich, man weiß, dass die Geschichte hier im Camp in Idomeni noch kein Ende gefunden hat…
    Auch heute wurden wieder Flugblätter an die Bewohner verteilt. Auf griechisch, arabisch und Farsi war zu lesen: “ die Grenzen sind zu und bleiben zu. Sie können in offiziellen Camps für Flüchtlinge gehen.  Dort haben wir für Sie eine Wohnmöglichkeit und Essen vorbereitet. Sie müssen mit den Behörden kooperieren, damit Sie dort hin gebracht werden. Asylanträge können nur in diesen Camps gestellt werden.“ Auch dies hat wieder zur Unruhe unter den Bewohnern geführt. Der Buschfunk im Camp trug an diesem Tag herum, dass die Grenze morgen am 01.05. geöffnet werden solle. Für den morgigen Tag wurden mögliche Ausschreitungen erwartet.

    Tag 8

    Ein Tag sowas wie Urlaub… Da am Sonntag kein normales Angebot in Center stattfindet wurde die Anzahl der Ehrenamtlichen auf ein Minimum reduziert. Wir haben den Tag genutzt um das Meer nicht nur vom Flugzeug aus gesehen zu haben. Schnell haben wir jedoch gemerkt, für den Kopf gab es keine wirkliche Pause.
    (Text und Bilder: Alena und Nahid)
  • Apr
    27

    Nachrichten aus Idomeni

    Letzten Samstag haben sich Nahid und Alena aus unserem Vorstand auf den Weg nach Idomeni in Griechenland gemacht, um sich vor Ort ein Bild von den Zuständen zu machen und mit anzupacken. Dafür wurden im Vorfeld Spenden gesammelt, mit denen sie die Hilfe vor Ort unterstützen wollen. Hier ist ihr erster Bericht.


     

    Anreise

    Von Düsseldorf ging es für uns am Samstag den 23.04. nach Thessaloniki. Einen Mietwagen haben wir schnell gebucht und sind auf die Suche nach einem Zimmer gegangen. Zu unserem Glück war noch ein Zimmer im Parkhotel in Polykastro für uns frei. Von hier aus wird ein Großteil der ehrenamtlichen Arbeit in Idomeni, aber auch in den kleineren umliegenden Camps wie der ECO Tankstelle koordiniert. Tage später werden wir hier auch Eva treffen. Sie hat für die Ehrenamtlichen des Projekt Ankommen ein Seminar für den Umgang mit traumatisierten Menschen gegeben.

    Tag 1 in Idomeni

    Sonntag haben wir den ersten Tag im Camp in Idomeni verbracht. Die meiste Zeit waren wir damit beschäftigt uns einen Überblick zu verschaffen. Auch wenn es einige tausend Menschen weniger sind, als noch vor ein paar Wochen, sind die Ausmaße des Camps kaum zu überblicken. Aktuell Leben mehr als 10.000 Menschen im Camp. Mehr als die Hälfte sind Kinder. Es gibt ein paar wenige große Zelte von Hilfsorganisationen, aber die meisten Menschen schlafen in Igluzelten , liegen gebliebenen Zügen oder im brach liegenden Gebäuden entlang der Gleise.
    Um einen Einblick über die Strukturen dieses Mikrokosmos und den Aufbau des Camps zu bekommen halfen wir unabhängigen Ehrenanmtlichen dabei 5.000 Bananen an Kinder und Schwangere zu verteilen. Dabei unterstützt wurden wir von den zahlreichen kleinen Helfern, die uns wie Guides durch das Camp führten und für uns übersetzten. Hier trafen wir auch zum ersten Mal auf das Culture Center und wir entschlossen uns schnell unsere Hilfe die nächsten Tage dort einzubringen.
    Auf den ersten Blick scheint es durch den Staat nur wenig Hilfe zu geben. Hilfsorganisationen und unabhängige Ehrenamtliche sind stets präsent.

    Tag 2

    Von 09:30-19:00 haben wir im Culture Center gearbeitet. Am Vormittag haben wir mit den Kindern Sport gemacht, bei der Essensausgabe geholfen und die Kinder zum stillen Örtchen begleitet. Am Nachmittag war Nahid als Farsi und Englisch (für Farsi Sprechende SchülerInnen) Lehrerin sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene aktiv. Wir merkten schnell, dass es wohl ein paar Tage dauern wird um einen Überblick der Abläufe zu bekommen.
    Während der Pausen für uns und den Unterrichtszeiten der Kinder waren wir im Camp unterwegs und haben mit den Leuten gesprochen. Wie zu erwarten war mangelt es hier an allem. Wie die Europäischen Staaten dabei zu sehen können, wie die Menschen hier krank werden und an Hunger leiden ist von hier aus noch unfassbarer. Ein Schicksal das viele Menschen teilen: Die meisten Menschen haben die Zustände von Krieg und Terror in ihren Heimatländern hingenommen, da es keine wirkliche Alternative für sie gab. Nachdem in Deutschland aus der Not heraus viele Menschen aufgenommen wurden, haben sich viele erst auf den Weg gemacht. Sie haben ihr komplettes Hab und Gut verkauft um sich in Europa ein neues , friedliches Leben aufzubauen. Nun sitzen sie in Idomeni fest und kommen nicht weiter. Aber auch der Weg zurück (den inzwischen viele Menschen wieder auf sich nehmen würden) ist verbaut. Menschen die viele Jahre bereits in anderen Ländern gelebt haben werden in die Ursprungländer zurück geschickt. Viele haben keine Pässe mehr und auf Flucht oder Wechsel der Religionszugehörigkeit steht Gefängnis bzw. die Todesstrafe.

    Tag 3

    Auch an diesem Tag begann die Arbeit früh. So langsam bekamen wir einen Durchblick und wissen wo wir uns sinnvoll einbringen können. Für die Menschen im Camp war es ein Tag, der noch schlechter war als die Anderen. Zwar schien die Sonne aber schon in der Nacht begann ein sehr starker Wind, der den ganzen Tag über anhielt. Das Camp das gestern noch einer kleinen Zeltstadt ähnelte, sieht nun aus wie ein Trümmerfeld. Die meisten der Igluzelte sind zerstört und die Menschen probieren ihr Hab und Gut so gut es geht zu schützen. Bei vielen zeigte sich im Laufe des Tages, dass sie nicht wussten wo sie die nächste Nacht verbringen sollten.
    Ein weiteres Problem im Camp, das sich hier so wie in jeder „Gesellschaft“ entwickelt hat, ist Rassismus. Minderheiten werden unterdrückt und bekommen jeden Tag Abneigung zu spüren. In den Essensschlangen stehen sie stets hinten, egal wie lange sie schon anstehen. Viele hatten seit sie hier sind noch keine Wärme Dusche, da ihnen das Recht darauf verwehrt bleibt.

    Die Politik, die dafür sorgt, dass die Menschen hier festsitzen fördert auch in Europa den Wachstum von Schlepperorganisationen. Die Menschen, die es sich leisten können, haben die Möglichkeit für eine Summe von ca. 2.500€ pP über die Grenze gebracht zu werden. Für viele Menschen im besonderen Familien mit mehreren Kindern eine nicht aufzubringende Summe.

    Spenden

    Durch die tolle Unterstützung von Ehrenamtlichen, Familie, Freunden und des Käthe Kollwitz Gymnasiums konnten wir 3.250€ mit nach Idomeni nehmen. davon gingen bisher 750€ an das „Banana Team“ die jeden Tag 5.000 Bananen an Kinder und schwangere Frauen verteilen. Weitere 750€ gingen an die Organisatoren von „Hot Food Idomeni“. Das Team bereitet täglich mehrere Tausend warme Speisen zu. 530€ gingen an das Culture Center, in dem wir vorerst täglich mitarbeiten. Die Kinder bekommen dort Unterricht und andere Freizeitangebote. Zudem werden sie sowohl mit Frühstück als auch mit Mittagessen versorgt.

    (Text und Bilder: Alena und Nahid)

  • Mär
    31

    Nahid Farshi einstimmig wiedergewählt

    Aktive Hilfe bleibt Schwerpunkt

    Nur zehn Monate nach seiner Gründung konnte der Vorstand des Vereins Projekt Ankommen während seiner 1. Jahreshauptversammlung beeindruckende Fakten vorstellen:

    Der Verein hat mittlerweile 270 Mitglieder.

    Zum Umfeld zählen fast drei Mal so viele Menschen, nämlich 617,
    die aktive ehrenamtliche Hilfe leisten.

    Für 150 Familien und Einzelpersonen hat Projekt
    Ankommen Patenschaften vermittelt.

    Für ebenso viele Menschen konnten Umzüge in eigene
    Wohnungen organisiert, durchgeführt und Möbel besorgt werden.

    Durch das Projekt Ankommen konnten bereits 260 Geflüchtete
    an einem Deutschkurs teilnehmen.

    „Diese Zahlen sind erfreulich und bilden nur einen Teil unserer Aktivitäten ab – doch sie zeigen auch:

    Mehr denn je ist Hilfe nötig

    Vor allem für die circa 3500 Flüchtlinge, die nicht mehr in Flüchtlingsunterkünften, sondern in einer eigenen Wohnung leben. Wir dürfen die Menschen nicht alleine lassen, sie brauchen unsere Unterstützung“, so Nahid Farshi, alte und neue Vorsitzende des Projekt Ankommen.

    Die Jahreshauptversammlung wählte sie einstimmig zur 1. Vorsitzenden.

    Nahid Farshi, vor mehr als 30 Jahren selbst aus dem Iran geflohen und immer in Sachen Integration und interkultureller Arbeit aktiv, nutzte dafür natürlich auch die Jahreshauptversammlung: eine persische Braut, so ließ sie die Versammlung wissen, antwortet erst, wenn sie drei Mal gefragt wird. Und so erlebten die Teilnehmer der Versammlung vergnügt mit, wie die Vorsitzende zwei Mal sehr neutral schaute, bevor sie mit einem begeisterten „ja, sehr gerne“ die Wahl zur Vorsitzenden annahm.

    Die weiteren Mitglieder des Vorstands sind:

    Stellvertreterinnen Astrid Cramer und Bettina Bielefeld
    Kassiererin Karola Beyling
    Schriftführerin Alena Mörtl

    Als Beisitzer wurden gewählt:

    Ahmed Abdellatif, Jan Lüttmann, Karina Meyer, Marlies Schäfer, Robert Torkuhl, Hannah de Vries

    Lebhaft diskutiert wurde ein Antrag zur Änderung der Satzung, in dem es darum ging, die Formulierung in der Satzung von „politisch neutral“ in „parteipolitisch neutral“ zu ändern. Mit großer Mehrheit beschloss die Versammlung, die Satzung nicht zu verändern, um auch weiterhin die aktive Hilfe in den Mittelpunkt zu stellen und dem Verein seine „Reinheit“ zu belassen.

  • Mär
    31

    Gemeinsam mehr erreichen

    In Hörde geht’s rund…

    (Text von Bettina)

    Schon lange begleiten Lisa und ich Flüchtlinge aus dem PHOENIX-Haus. Dabei fiel uns auf, wie schwierig es für die Menschen wird, wenn sie danach in eigenen Wohnungen leben. Im Oktober dachten wir: So geht das nicht weiter – wer kümmert sich um die Menschen, wenn sie allein in einer Wohnung sind, wenn sie Post bekommen, die sie nicht verstehen; wer hilft bei den Problemen des Alltag – und  ganz konkret, woher bekommen sie Möbel, wie kommen gespendete Möbel in ihre Wohnungen?

    Wir recherchierten und stießen schnell auf das Projekt Ankommen

    Dort wurden wir mit offenen Armen empfangen. Denn unsere Interessen sind die gleichen: Wir wollen die Arbeit mit geflüchteten Menschen in die Stadtbezirke bringen. Genau das will das Projekt Ankommen auch.

    Lisa und ich trafen uns mit Nahid Farsi, der ersten Vorsitzenden von Projekt Ankommen und bereits beim ersten Kontakt war klar – da wollen wir uns anschließen – „Projekt Ankommen“ hilft unkompliziert, das Know-how ist riesig und Spaß miteinander hat man auch. Lisa und ich traten dem Verein bei, krempelten die Ärmel hoch und suchten uns im Stadtbezirk Hörde weitere Gleichgesinnte.

    Für uns ist es wichtig, mit allen zusammenzuarbeiten, die in Hörde engagiert sind, natürlich auch mit der Bezirksverwaltung. Also haben wir das Gespräch mit Herrn Spangenberg, dem Leiter der BV gesucht und stießen auf offene Ohren und Türen. Sofort wurde uns für unsere Arbeit ein Büro in der Stadtteilagentur angeboten. Dort sind wir bereits Mitte November eingezogen. Am Anfang war es ruhig, doch heute reicht der Platz im Büro oft nicht aus, weil so viele Menschen Hilfe und Beratung suchen. Deshalb überlegen wir jetzt schon, die Öffnungszeiten zu erweitern.

    Was tun wir?

    Wir helfen bei Behördengängen oder beim Umzug. Wir vermitteln Patenschaften, führen Infoveranstaltungen durch, laden zum Stammtisch und kümmern uns um Weiterbildungen und taraaa… am 4. April beginnt unser erster Deutschkurs in Hörde. Im Februar haben wir uns beim Stadtbezirksmarketing vorgestellt und eine großzügige Spende für Werkzeug erhalten und demnächst wird es eine Informationsveranstaltung im Bürgerhaus geben.

    Die Arbeit macht sehr viel Freude. Auch wenn manches nervenaufreibend und anstrengend ist, so bleibt am Ende doch große Zufriedenheit. Es ist schön, wenn Familienangehörige tatsächlich nachziehen können, eine Wohnung eingerichtet ist oder jemand strahlend und voller Freude mit einem endlich erhaltenen Dokument im Büro auftaucht.

    Foto: Projekt Ankommen

     

  • Mär
    19

    Die Haltewunschtaste – Gedanken über Selbstverständlichkeiten

    Was mich antreibt…

    (geschrieben von Hannah)

    Seit einigen Monaten engagiere ich mich ehrenamtlich für geflüchtete Menschen im Projekt Ankommen. Es ist eine Aufgabe, die ich von Anfang an gerne gemacht habe.
    Manchmal denke ich darüber nach, ob das alles nicht zu viel wird. Schließlich gibt es neben dem Ehrenamt noch Freunde und Familie, die Schule, den Beruf und ja, Hobbies hab ich auch.

    In solchen Momenten denke ich an Erlebnisse, die mich nachhaltig geprägt haben

    Mohammed und ich sitzen in der U-Bahn. Ich ignoriere die Durchsage, schon tausendmal gehört. Er fragt: „Was bedeutet es: Nach Betätigung der Haltewunschtaste?“
    „Na, drück den Knopf und die Bahn hält.“, antworte ich.
    „Ach so, betätigen heißt drücken.“
    „Nein, nicht ganz.“, sage ich.
    Ich habe es ihm erklärt, an zig Beispielen. Mit jedem Beispiel kommt ein neues Wort, das er nicht kennt. Manche sagen, sowas sei anstrengend. Ich denke nicht. Denn endlich mache ich mir Gedanken über Selbstverständlichkeiten. Über die eigene Stadt, meine Sprache und Mitmenschen.

    Es ist wunderbar wieder zu lernen, diese Dinge bewusster wahrzunehmen.

    Auf der Südtribüne stehen wir nebeneinander. Das Spiel hat noch nicht begonnen. Mohammed saugt alles auf. Die Fans, die Stimmung, das Stadion. Wir machen Fotos für seine Familie und seine Freunde. Einige Lieder kann er schon mitsingen. An uns schlängelt sich ein Mann vorbei. Er hat einen Bierträger in der Hand. Darauf steht: „Kein Bier für Rassisten!“
    Mohammed, seit fast einem Jahr in Deutschland, fragt: „Was bedeutet es: Rassisten?“
    Ich bin sprachlos.
    Mit dieser Frage ist mir klar geworden, dass ich alles dafür tun werde, um Menschen, die ihre Heimat verloren haben, weiterhin einen friedlichen Neuanfang in Dortmund zu ermöglichen.

    Dies sind nur zwei Auszüge aus meinen gesammelten Erfahrungen. Nach mittlerweile einigen Monaten gibt es unheimlich viele davon. Und ich hoffe sehr, dass noch viele folgen.

  • Feb
    09

    „COFFEE WITH FRIENDS“ findet großen Anklang

    „Und wenn keiner kommt?“

    (von Daniel Scholz)

    Es ist Sonntagnachmittag. Die Uhr springt auf 15:20 Uhr. Die freiwilligen Helfer, rund um die Veranstaltungsgruppe, die sich im Café versammelt haben, werden langsam unruhig.

    „Und wenn keiner kommt?“, fragt einer der Helfer. „Dann bleibt sehr viel Kuchen für uns übrig!“, witzelt ein anderer.

    Seit 15 Uhr sind die Türen geöffnet. Kaffee und Tee sind aufgesetzt und ein großes Kuchenbüffet wartet darauf, vernichtet zu werden.

    Dann öffnet sich die Tür und die ersten Geflüchteten, ein junges Paar aus Pakistan, betritt in Begleitung eines älteren Ehepaares, ihren Paten, das Dortmunder Café.

     

    Foto: privat

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  • Feb
    06

    Wirtschaftsjunioren engagieren sich für Flüchtlingskinder: 10.000 Euro an Verein „Projekt Ankommen“ übergeben

    Dortmund, 3. Februar 2016. Die Wirtschaftsjunioren Dortmund Kreis Unna
    Hamm (WJ) engagieren sich auch im Jahr 2016 für Flüchtlingskinder. In den
    vergangenen Wochen sammelten sie dazu Spendengelder in Höhe von 10.000
    Euro, die nun dem gemeinnützigen Verein „Projekt Ankommen“ in der
    Erstaufnahmeeinrichtung „An der Buschmühle“ übergeben wurden.
    „Wir sind sehr glücklich und auch ein wenig stolz, uns mit einer solchen Summe
    einbringen und die großartige Arbeit des Vereins unterstützen zu können.
    Maßgeblich beigetragen haben hier Einzelspenden der Sparkasse Dortmund,
    der Dortmunder Volksbank sowie des Social Club der Wirtschaftsjunioren,“ so
    Carsten Jäger, Past President der WJ. Zusammen mit WJ-Mitglied Ranja
    Ristea-Makdisi hatte Jäger die Initiative des WJ-Kreises aus der Taufe gehoben.
    Rückblickend ergänzt Ristea-Makdisi: „Nach den Spielsachen, die wir vor
    Weihnachten übergeben konnten, soll der Großteil des Geldes nun in warme
    Kleidung für die Kinder sowie ein kleinerer Teil in die ehrenamtliche Arbeit des
    Vereins fließen.“
    Stellvertretend für den Verein „Projekt Ankommen e.V.“ nahm dessen
    Vorsitzende Nahid Farshi die Spende entgegen. „Projekt Ankommen“ hat das
    Ziel, geflüchteten Menschen nach dem Auszug aus der städtischen
    Flüchtlingsunterkunft in eigene Wohnungen zu helfen, sich in Dortmund zurecht
    zu finden, sich einzuleben und zu integrieren.
    Die Wirtschaftsjunioren bei der IHK zu Dortmund e.V. sind Teil der Wirtschaftsjunioren
    Deutschland (WJD), die mit 10.000 Unternehmern und Führungskräften im Alter bis zu 40
    Jahren der Spitzenverband der jungen deutschen Wirtschaft sind. Sie sind Mitglied im
    Weltverband der Junior Chamber International (JCI). Die Wirtschaftsjunioren setzen sich dafür
    ein, unternehmerisches Handeln in Deutschland und Europa aktiv mit zu gestalten. Die Arbeit
    bei den Wirtschaftsjunioren geschieht ehrenamtlich.

    Text: Tobias Böcker

    Foto: Jan Heinze

    Spenden Scheck Wirtschaftsjunioren social Club

  • Jan
    13

    Deutschkurs geht mit 85 Neuanmeldungen in die dritte Runde

    (geschrieben von Frederike)
    Viele der freiwilligen Helfer haben uns in den beiden vorherigen Kursen bereits gezeigt, wie wichtig ihre Unterstützung und die Zusammenarbeit im Team ist: Von der Kinderbetreuung während des Unterrichts der Eltern, über die Unterstützung durch die Übersetzer bis hin zu den Lehrkräften, die sich den zukünftigen Teilnehmern vorstellen und ihnen die Räumlichkeiten zeigen.

    Wir sind alle sehr gespannt

    Voller Vorfreude begegnen wir der nächsten Herausforderung „Deutschkurs“ mit positiven Erwartungen. Auch wenn die Strukturen des Kurses stehen und viele der Helferinnen und Helfer uns auch in dieser Runde weiter unterstützen, spreche ich von einer Herausforderung, denn: Uns stehen erneut zwölf Wochen bevor, in denen wir im Team als Lehrerinnen und Lehrer, bei der Kinderbetreuung und als Kursteilnehmer zusammen arbeiten, um unser gemeinsames Ziel – die deutsche Sprache vermitteln und erlernen, zu erreichen. Herausforderung, weil jeder Kurs andere heterogene Gruppen mit sich bringt: Neue Hintergründe, andere individuelle Voraussetzungen, neue Lehrerinnen und Lehrer, die teilweise zum ersten Mal Deutsch unterrichten.

    Die Zahl der Kursteilnehmer wächst stetig an

    Das zeigt einerseits, wie viel Anklang unser Angebot findet, andererseits bieten wir auf diese Weise immer mehr geflüchteten Menschen, die Möglichkeit, unsere Sprache zu lernen. Ich kann mir auch gut vorstellen, was für eine Herausforderung der Unterricht für die Teilnehmer darstellt.

    Welche Erwartungen haben sie an die Kurse? Welche Ziele haben sie? Welchen Menschen werden sie in den Kursen begegnen?

    Zwölf Wochen werden wir täglich versuchen, unsere Kurse den Voraussetzungen der Teilnehmer entsprechend zu gestalten, zu motivieren und ihnen erfolgreich die Inhalte zu vermitteln. Und zwölf Wochen werden viele von uns Kinder in unterschiedlichen Altersgruppen in kleinen Teams betreuen, unterhalten und bespaßen.

    Ich hoffe sehr, dass wir es, trotz einiger zu überwindender Hürden, mit unserem Engagement wieder schaffen, unsere Teilnehmer, sowie die Helferinnen und Helfer bis zum Ende des Kurses motiviert zu halten, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

    Mit einem guten Gefühl voller Vorfreude blicke ich dem neuen Kurs entgegen.

    Die Deutschlehrer*innen, Foto: privat
    Die Deutschlehrer*innen, Foto: privat
  • Jan
    07

    Aus aktuellem Anlass: Wie geht es einer Frau, die mit geflüchteten Menschen arbeitet?

    Böse Menschen gibt es überall, unabhängig von Religion, Kultur oder Herkunft
    (geschrieben von A.)

    Die derzeitige Meldungen der Medien sind eindeutig: Jeder Sender berichtet über die (sexuellen) Übergriffe in Köln und andernorts.

    Schlimm, was dort passiert ist und ich wünsche keiner Frau, solche Erfahrungen machen zu müssen.

    Es bewegt mich dazu, darüber nachzudenken, wie „sicher“ oder „unsicher“ ich mich bei meiner Arbeit fühle.

    Ich treffe häufig Geflüchtete

    In Einrichtungen, bei Ihnen zu Hause oder wenn wir gemeinsam unterwegs sind. Die meisten wissen sogar, wo ich wohne und kennen meine Wohnung. Bis vor kurzem habe ich mir nichts dabei gedacht. Naiv könnten es manche nennen. Ja, vielleicht…

    Als ich vor einiger Zeit von einem bevorstehenden Termin berichtete, bei dem ich einen Mann in seiner neuen Wohnung treffen würde, um die weitere Planung zu besprechen, fragte Kollegin K., ob ich keine Angst hätte:

    „Nein, was soll mir schon passieren“

    erwiderte ich ganz klar. Sie gab mir ein paar Ratschläge auf den Weg. Ich grübelte und hinterließ schlussendlich die Anschrift meines Termins zu Hause – nur für den Notfall. Der Termin lief reibungslos. Im ersten Moment erschrak ich jedoch darüber, dass nicht nur ein, sondern zwei Männer auf mich warteten. F. hatte noch seinen Neffen S. mitgebracht. Warum wurde schnell klar: S., noch minderjährig, hatte viele Probleme, bei denen er Unterstützung brauchte. Beiden konnte ich erfolgreich helfen.

    Heute freue ich mich immer noch sehr darüber, dass S. sich regelmäßig meldet und mir ein „frohes neues Jahr“ wünscht.

    Kürzlich fragten mich drei junge Männer, ob ich manchmal Angst bei meiner Arbeit mit Geflüchteten habe

    Ich antwortete ganz klar „Nein“ und erklärte ihnen, dass ich den Menschen vertrauen müsse, sonst könnte ich diese Arbeit nicht leisten. Aber ich fügte hinzu, dass sich das sicher ändern würde, wenn mein Vertrauen missbraucht würde. Bisher war das glücklicherweise noch nie der Fall.

    Aus meinen bisherigen guten Erfahrungen heraus steht fest: Ich freue mich über die vielen Begegnungen mit geflüchteten Menschen.

    Oft werde ich gefragt, ob ich verheiratet sei. Die Irritation sind groß, wenn sie hören, dass ich ledig bin.

    Trotzdem werde ich als der Mensch, der ich bin, mit dem Leben, wie ich es führe, akzeptiert und wertgeschätzt

    Im Grunde noch viel mehr als das. Die Menschen, mit denen ich arbeite, geben auf mich Acht, umsorgen mich, beten sogar für mich. Ich werde nach Hause gebracht, wenn es dunkel ist und regelmäßig daran erinnert, mich zu melden, wenn ich Hilfe brauche.

    Natürlich kann ich jedem immer nur vor den Kopf gucken.

    Und leider gibt es überall auf der Welt Menschen, die Böses im Sinn haben

    Die aktuellen Vorkommnisse lassen mich nachdenken und hoffen, dass einfach alles weiter gut läuft.