Autor: Anna

  • Deutschkurs geht mit 85 Neuanmeldungen in die dritte Runde

    (geschrieben von Frederike)
    Viele der freiwilligen Helfer haben uns in den beiden vorherigen Kursen bereits gezeigt, wie wichtig ihre Unterstützung und die Zusammenarbeit im Team ist: Von der Kinderbetreuung während des Unterrichts der Eltern, über die Unterstützung durch die Übersetzer bis hin zu den Lehrkräften, die sich den zukünftigen Teilnehmern vorstellen und ihnen die Räumlichkeiten zeigen.

    Wir sind alle sehr gespannt

    Voller Vorfreude begegnen wir der nächsten Herausforderung „Deutschkurs“ mit positiven Erwartungen. Auch wenn die Strukturen des Kurses stehen und viele der Helferinnen und Helfer uns auch in dieser Runde weiter unterstützen, spreche ich von einer Herausforderung, denn: Uns stehen erneut zwölf Wochen bevor, in denen wir im Team als Lehrerinnen und Lehrer, bei der Kinderbetreuung und als Kursteilnehmer zusammen arbeiten, um unser gemeinsames Ziel – die deutsche Sprache vermitteln und erlernen, zu erreichen. Herausforderung, weil jeder Kurs andere heterogene Gruppen mit sich bringt: Neue Hintergründe, andere individuelle Voraussetzungen, neue Lehrerinnen und Lehrer, die teilweise zum ersten Mal Deutsch unterrichten.

    Die Zahl der Kursteilnehmer wächst stetig an

    Das zeigt einerseits, wie viel Anklang unser Angebot findet, andererseits bieten wir auf diese Weise immer mehr geflüchteten Menschen, die Möglichkeit, unsere Sprache zu lernen. Ich kann mir auch gut vorstellen, was für eine Herausforderung der Unterricht für die Teilnehmer darstellt.

    Welche Erwartungen haben sie an die Kurse? Welche Ziele haben sie? Welchen Menschen werden sie in den Kursen begegnen?

    Zwölf Wochen werden wir täglich versuchen, unsere Kurse den Voraussetzungen der Teilnehmer entsprechend zu gestalten, zu motivieren und ihnen erfolgreich die Inhalte zu vermitteln. Und zwölf Wochen werden viele von uns Kinder in unterschiedlichen Altersgruppen in kleinen Teams betreuen, unterhalten und bespaßen.

    Ich hoffe sehr, dass wir es, trotz einiger zu überwindender Hürden, mit unserem Engagement wieder schaffen, unsere Teilnehmer, sowie die Helferinnen und Helfer bis zum Ende des Kurses motiviert zu halten, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

    Mit einem guten Gefühl voller Vorfreude blicke ich dem neuen Kurs entgegen.

    Die Deutschlehrer*innen, Foto: privat

     

  • Aus aktuellem Anlass: Wie geht es einer Frau, die mit geflüchteten Menschen arbeitet?

    Böse Menschen gibt es überall, unabhängig von Religion, Kultur oder Herkunft
    (geschrieben von A.)

    Die derzeitige Meldungen der Medien sind eindeutig: Jeder Sender berichtet über die (sexuellen) Übergriffe in Köln und andernorts.

    Schlimm, was dort passiert ist und ich wünsche keiner Frau, solche Erfahrungen machen zu müssen.

    Es bewegt mich dazu, darüber nachzudenken, wie „sicher“ oder „unsicher“ ich mich bei meiner Arbeit fühle.

    Ich treffe häufig Geflüchtete

    In Einrichtungen, bei Ihnen zu Hause oder wenn wir gemeinsam unterwegs sind. Die meisten wissen sogar, wo ich wohne und kennen meine Wohnung. Bis vor kurzem habe ich mir nichts dabei gedacht. Naiv könnten es manche nennen. Ja, vielleicht…

    Als ich vor einiger Zeit von einem bevorstehenden Termin berichtete, bei dem ich einen Mann in seiner neuen Wohnung treffen würde, um die weitere Planung zu besprechen, fragte Kollegin K., ob ich keine Angst hätte:

    „Nein, was soll mir schon passieren“

    erwiderte ich ganz klar. Sie gab mir ein paar Ratschläge auf den Weg. Ich grübelte und hinterließ schlussendlich die Anschrift meines Termins zu Hause – nur für den Notfall. Der Termin lief reibungslos. Im ersten Moment erschrak ich jedoch darüber, dass nicht nur ein, sondern zwei Männer auf mich warteten. F. hatte noch seinen Neffen S. mitgebracht. Warum wurde schnell klar: S., noch minderjährig, hatte viele Probleme, bei denen er Unterstützung brauchte. Beiden konnte ich erfolgreich helfen.

    Heute freue ich mich immer noch sehr darüber, dass S. sich regelmäßig meldet und mir ein „frohes neues Jahr“ wünscht.

    Kürzlich fragten mich drei junge Männer, ob ich manchmal Angst bei meiner Arbeit mit Geflüchteten habe

    Ich antwortete ganz klar „Nein“ und erklärte ihnen, dass ich den Menschen vertrauen müsse, sonst könnte ich diese Arbeit nicht leisten. Aber ich fügte hinzu, dass sich das sicher ändern würde, wenn mein Vertrauen missbraucht würde. Bisher war das glücklicherweise noch nie der Fall.

    Aus meinen bisherigen guten Erfahrungen heraus steht fest: Ich freue mich über die vielen Begegnungen mit geflüchteten Menschen.

    Oft werde ich gefragt, ob ich verheiratet sei. Die Irritation sind groß, wenn sie hören, dass ich ledig bin.

    Trotzdem werde ich als der Mensch, der ich bin, mit dem Leben, wie ich es führe, akzeptiert und wertgeschätzt

    Im Grunde noch viel mehr als das. Die Menschen, mit denen ich arbeite, geben auf mich Acht, umsorgen mich, beten sogar für mich. Ich werde nach Hause gebracht, wenn es dunkel ist und regelmäßig daran erinnert, mich zu melden, wenn ich Hilfe brauche.

    Natürlich kann ich jedem immer nur vor den Kopf gucken.

    Und leider gibt es überall auf der Welt Menschen, die Böses im Sinn haben

    Die aktuellen Vorkommnisse lassen mich nachdenken und hoffen, dass einfach alles weiter gut läuft.

  • Fröhliche Weihnachten!

    Wir danken allen Mitgliedern, Helfer*innen, Unterstützer*innen, Förderer*innen und Sympathisant*innen und wünschen von Herzen fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Lasst es euch gut gehen und passt auf euch auf – so dass wir in 2016 weiterhin mit vereinten Kräften den Geflüchteten helfen können!

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  • Spende des Karl-Schiller-Berufskollegs

    Nachdem wir am 30. Oktober beim Event „DoNation Music“ schon sehr viel Spaß hatten (die Fotos findet ihr im Blog), wurde uns von den Organisatoren des Karl-Schiller-Berufskollegs am 26. November zusätzliche eine großzügige Spende von 3.480€ aus dem Erlös des Abends übergeben. Wir danken euch für die tolle Unterstützung.

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  • My home is my castle – Einblicke in eine Wohngemeinschaft mit Geflüchteten

    My home is my castle and refugees are welcome

    (von Regina)

    Im August 2011 fing es an, ich dachte: Was die Pestalozzi-Familien in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts machten, kann ich auch. Sie haben damals minderjährige Jungen in ihre Familie aufgenommen. Die Jungs stammten z. B. aus der Türkei und absolvierten Ausbildungen in den Zechen des Ruhrgebiets.

    Siehe hierzu auch: Ausstellungsprojekt von Viktoria Waltz und Cornelia Suhan mit dokumentarischen Bildern aus fünf Jahrzehnten:
    http://www.dortmund.de/media/downloads/pdf/news_pdf/2015_5/Glueckauf_Kleinkatalog_7a_WEB.pdf

    In meine Wohnung zog Ziba aus Afghanistan mit ihren beiden Jungs: Nima war damals 5 und Kanishka 2 Jahre alt. Sie bei mir aufzunehmen, sicherte ihnen die Möglichkeit, in Dortmund zu bleiben. Ansonsten hätten sie nach Jena ziehen müssen.

    Meine Wohnung bietet genug Fläche und verfügt über zwei Badezimmer. In der Nachbarschaft gibt es einen iranischen Laden. Deren Besitzerin, die Mitte der 80er selbst als Flüchtling aus dem Iran nach Dortmund kam, würde Ziba während meiner Arbeitszeit unterstützen.

    „Nein, sie hat mir die Wohnung nicht ausgeräumt und nichts geklaut“

    Allerdings bin ich manchmal, wenn ich abends schwungvoll die Wohnungstür öffnen wollte, mit dem Kopf gegen die Tür gerummst. Warum? Weil Ziba aus Angst oder Unsicherheit den Sicherheitsriegel vorgelegt hatte. Mangels einer gemeinsamen Sprache wirkte unsere nonverbale Verständigung manchmal filmreif. Kanishka war der Topkommunikator des Nonverbalen – schauspielreif – das ist bis heute so, obwohl er als mittlerweile Erstklässler inzwischen munter deutsch plappert. Leider klappt es dafür noch nicht so richtig mit Dari, seiner Muttersprache.

    Als wir noch miteinander wohnten hatten wir witzige, schöne und auch andere Momente:

    Wie das eben so ist, wenn man miteinander lebt: Es menschelt

    In ihrer ersten Woche bei mir saßen wir mit befreundeten Nachbarn zusammen. Ich hatte mir das als Willkommensessen ausgedacht. Es stellte sich heraus: Knapp vorbei ist auch daneben bzw. „gut gemeint“ bewirkt manchmal auch das Gegenteil, denn Ziba verhielt sich an diesem Abend anders als sonst, eher verschlossen und zurückhaltend. Sie zog sich sehr früh mit den Kindern in ihr Zimmer zurück.

    „Nun“, sagte ich zu Mattes, „Das lag vielleicht an deiner stürmischen, freundlichen Begrüßung“, und schlaumeierte: „Weißt du, muslimische Frauen geben fremden Männern nicht die Hand, aber sie konnte ja nicht anders, weil du ihr keine Gelegenheit dazu gelassen hast.“

    Es folgte eine spannende Diskussion über Integrations- und Assimilationsleistungen, Recht auf Selbstbestimmung und und und.

    Jahre später erzählte mir Ziba, was an dem Abend wirklich los war: Sie sei davon ausgegangen, dass ich dem befreundeten Paar, die ja auch kinderlos und sehr kinderfreundlich sind, ihre Kinder Nima und Kanishka an dem Abend verkaufen wollte.

    Sie hatte sich aus Angst in ihr Zimmer zurückgezogen

    Aufgrund der Erfahrungen auf dem langen Fluchtweg konnte sie sich nicht vorstellen, weshalb jemand ohne Gegenleistung einfach so helfen würde.

    Eine der schönsten Episoden wurde unsere ganz persönliche Weihnachtsgeschichte in der Dortmunder Sonnenstraße: Tooran, Zibas Ehemann, zog kurz vor dem Heiligen Abend auch noch bei uns ein. Ganz ehrlich, es hat mich schon ein bisschen erschrocken, als Ziba mir am Telefon, vor Freude weinend, während ich an meinem Arbeitsplatz saß, davon erzählte. Ich dachte: „Ok, jetzt hast du den Salat und einen afghanischen Mann im Haus. Das kann ja lustig werden.“ Etwas angespannt fuhr ich heimwärts. Meine jahrzehntelange Sozialisation in der westeuropäischen Frauenbewegung, viele Auseinandersetzungen mit verschiedensten Chauvis, Softies und Normalos männlichen Geschlechts aus meinem vertrauten Kulturkreis ließen mich dann doch relativ gelassen in diese selbst eingebrockte Auseinandersetzung ziehen.

    Tja, Mindfucking ist das eine, das andere ist das Leben

    Da saß vor vier Jahren dann in meiner Wohnung ein sympathischer, attraktiver Mann, der mich wie ein Honigkuchenpferd anstrahlte. Und Schneidern kann er auch noch. Und wie! 🙂 Ich führe übrigens die Modelle gerne vor, die er mir in den letzten Jahren nähte: So schick war ich in noch keinem Lebensjahrzehnt. Das Beste an diesem Weihnachten war das „Klingglöckchenklingelingeling“, gemeinsam mit meiner damals 86jährigen Mutter. Wie Mamas in dem Alter so sind, sagte sie beim Essen: „Na, Ziba, trink doch ruhig ein Schlückchen Wein mit uns, jetzt, wo dein Mann wieder da ist.“ Oje, war mir das peinlich und so schlaumeierte ich mal wieder: „Mensch, Mutti, du weißt doch, dass Ziba als Muslima keinen Alkohol trinkt.“ Meine Mutter zwinkerte Ziba einfach zu und sie spürte, dass meine Mutter es nicht böse meinte, während ich, mich etwas blöd fühlend, mit hängenden Armen daneben saß.

    Ja klar, manchmal hatten wir auch Streit

    Eines Tages schimpfte Ziba in ihrer Muttersprache mit ihrem fünfjährigen Sohn: Er solle nicht weinen, sondern sich wie ein Mann benehmen. Das veranlasste mich – in meiner Muttersprache – zur Furie zu werden. Ich fragte sie, ob sie sich vielleicht selbst wie eine erwachsene Frau benehmen könne und nicht wie eine Zwölfjährige, die einen Knoten in den Armen hat. Ihr Sohn sei noch ein Kind: „Frauen brauchen keine Männer, sondern können selber machen, was zu tun ist. Also nimm du Nima lieber in den Arm und tröste ihn. Er ist schließlich dein Sohn. Du musst auf ihn aufpassen, nicht umgekehrt.“

    Inzwischen könnte ich ein dickes Buch über all die Erlebnisse schreiben

    Die Begegnung mit dem anderen im eigenen Zuhause ist spannend, jedoch nichts für jene, die Bequemlichkeit bevorzugen.

    Als ich meinen jetzigen Lebenspartner kennen lernte, weihte ich ihn gleich darüber ein, dass ich nur vermeintlich ein Single sei, tatsächlich sogar eine Großfamilie hätte, die ständig wachse. Gemütlich sei es bei und mit mir auch eher nicht. „Passt“, sagte er dazu. Und für mich ist es wunderbar, mit „50 plus“ einen Bündnispartner auch in dieser Sache gefunden zu haben:

    „Our home is our castle and refugees are welcome“

    Es ist sehr schön, in den Jahren unseres Zusammenlebens, bereits einigen Gästen ein vorübergehendes Zuhause geboten zu haben und sie an unserem Leben teilhaben zu lassen. Sie haben unser Leben in vielerlei Hinsicht bereichert. Ich bin sehr gespannt darauf, mich in einigen Jahren rückblickend mit all unseren zeitweiligen Mitbewohnern darüber auszutauschen, was sie in der Zeit unseres Kennenlernens dachten und fühlten.

  • Infotisch in der Pauluskirche

    Die Pauluskirche in der Dortmunder Nordstadt ist immer einen Besuch wert. Mehrmals die Woche findet hier ein abwechslungsreiches, kulturelles Programm statt.

    Heute wurden wir dazu eingeladen die Besucher über unseren Verein zu informieren.

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