Kategorie: Aktuelles

  • Ein Ausflug in die deutsche Geschichte – Projekt Ankommen organisierte Tour nach Berlin

    (Geschrieben von Alena)

    Projekt goes Berlin

    Unter diesem Arbeitstitel organisierten, planten und informierten wir.

    Vor einigen Monaten entstand die Idee, eine Reise nach Berlin zu planen. In den Integrationskursen der Geflüchteten, aber auch im gemeinsamen Austausch ist die Geschichte Deutschlands immer wieder Thema. Doch irgendwie lässt sich kaum nachvollziehen, dass Deutschland z.B. damals in zwei Teile zerlegt wurde. Ein guter Grund, sich die Stadt mit der ehemaligen Mauer und andere historische Sehenswürdigkeiten in unserer Hauptstadt anzuschauen und sich damit auseinanderzusetzen.

    Ein Team aus drei Ehrenamtlichen zeigte sich bereit, eine Kultur- und Bildungsfahrt zu planen und durchzuführen. Sie organisierten die ersten Treffen und sammelten viele Ideen: Was wird benötigt? Worauf müssen wir achten?

    Und was wollen wir vor Ort tun?

    Schließlich war es für uns alle das erste Mal, eine solche Reise – und das gleich für 15 Personen – zu organisieren. Durch tolle Kontakte und Verhandlungsgeschick erhielten wir gute Konditionen von den verschiedenen Anbietern. Die Rahmenbedingungen standen schnell fest. Gelder wurden beantragt und eine Pauschale pro Teilnehmer festgelegt.

    Wer soll eigentlich mitfahren?

    Da wir unerfahren waren, war es uns wichtig, dass Menschen teilnahmen, die wir oder andere Ehrenamtliche des Vereins zumindest entfernt kannten. Die Gruppe stand schnell fest und wir bereiteten uns auf diese aufregende Zeit vor. Mit Hilfe von Vorbereitungstreffen und einer Whatsapp-Gruppe gelang es uns, alle Teilnehmer auf dem aktuellen Stand der Informationen zu halten.

    Freitag morgen, 8:30 Treffen am Hauptbahnhof. Viele trafen sich schon am vorherigen Abend oder auf dem Weg zum Bahnhof, um nicht zu spät dort zu sein. Um zwanzig nach Acht klingelte das erste Handy, mit einem Teilnehmer, der fragte wo denn alle seien. Zu spät kam jedoch nur der Bus. Unserer Vorfreude und Aufregung tat das zum Glück keinen Abbruch. Staubedingt zog sich die Fahrt. Die Zeit versuchten alle mit Nickerchen, Singen und Quatschen zu überbrücken.

    Dann hieß es:

    Willkommen in Berlin

    Einmal kurz durchatmen, Zimmer beziehen und frisch machen. Schon wartete der erste Programmpunkt: Ein gemeinsames Abendessen zum Einstieg. 15 müde und gleichzeitig aufgekratzte Menschen wollten gleichzeitig fotografieren und Essen bestellen. Nach dem köstlichen Essen ging es noch kurz an der East Side Gallery vorbei . Schließlich haben wir nicht endlos Zeit und Berlin bietet einfach zu viel. Nach einem weiterem kurzen Stopp im Hostel erkundeten wir die Stadt bei Nacht und legten die ersten von insgesamt sehr vielen Kilometern zu Fuß zurück.

    Auch Tag zwei sollte uns einiges bieten. Unter anderem das Brandenburger Tor, der Bundestag, das Denkmal für die ermordeten Juden in Europa und der Fernsehturm warteten auf uns. Hunderte Fotos wurden geknipst und mindestens so viele Fragen gestellt. Was ist das? Wie alt? Warum? Und wie eigentlich? Die Smartphones immer griffbereit, konnten wir die meisten Fragen beantworten. Um unseren Füßen eine Pause zu gönnen und das tolle Wetter auszukosten, entschieden wir uns spontan, den Abend im Berliner Mauerpark ausklingen zu lassen.

    Den Abfahrtstag wollten wir nicht ungenutzt lassen: Wir liefen zum Checkpoint Charlie, um uns einige Zeit später von unserem Busfahrer für die Rückfahrt einsammeln zu lassen.

    Fotos, Fragen, Mittagsessen. Müde, aber glücklich singend, lachend und schlafend warteten wir auf unsere Ankunft in Dortmund.

    Die Geschichten, Denkmäler und historischen Bauten erinnerten viele der Teilnehmer an ihre Heimat. Die Stimmung drückte das nicht. Vielmehr regte es an, tolle Geschichten zu erzählen und Bilder zu zeigen.

    Auch wenn es einigen Menschen nicht klar ist, die Parallelen sind größer als wir denken.

    Mein persönliches Highlight spielte sich unverhofft in einem kleinen Dönerladen kurz vor der Rückfahrt ab: Alle wollten sich mit Proviant für die Heimfahrt eindecken –  Chaos und die Uhr im Nacken. Als fast alle versorgt waren, fragte der Besitzer: „Woher kommt ihr?“. Ganz selbstverständlich und beiläufig kam die Antwort: „Aus Dortmund“. Denn hier ging es nicht darum, wer aus welchem Land stammt. Wir waren einfach Touristen wie viele andere auch und wir kamen alle aus Dortmund.

     

  • Westparkfest 2016

    Im vergangenen Jahr haben wir zum ersten Mal unser Willkommensfest im Dortmunder Westpark veranstaltet. Wir wurden mit vielen zahlreichen Besuchern und tollstem Wetter belohnt. Somit fiel die Entscheidung nicht schwer, dieses Jahr in die zweite Runde zu starten.

    Wir freuen uns, wenn ihr wieder zahlreich erscheint und gemeinsam mit uns ein tolles Unterhaltungsprogramm und leckeres Essen genießt. An dem Wetter arbeiten wir noch…

    04.09.2016
    14:00-20:00
    Westpark Dortmund

    _PA Plakat_A2_Westparkfest-A3-A5.indd

    Unser Programm bietet dieses Jahr folgendes:
    14:00 DJ
     
    14:30 Begrüßungsrede
    Friedrich Fuß Bezirksbürgermeister und Projekt Ankommen
     
    14:45 DJ
     
    15:00 Blockbuster Sound in full crew und das TukTuk Soundmobil
    Blockbuster Sound spielen Reggae und VollAufDieFresseDancehall dabei sind WashiEiko, Flag, Kärr, Tschäck und Marcus. Mit dabei haben sie das TukTuk Soundmobil und Sounds aus Jamaika.
     
    15:45 DJ
     
    16:30 TRANSORIENT ORCHESTRA
    Das Transorient Orchestra lässt den Soundtrack des Ruhrgebiets erklingen.
    In der aktuellen Besetzung spielen MusikerInnen zusammen, die ihre kulturellen Wurzeln in Deutschland, der Türkei, dem Iran, Tunesien und Syrien haben.
    Santur, Oud, Ney und Darbuka im kreativen Dialog mit Bigband-Bläsersätzen, Gitarre, Bass, Violine und Schlagzeug, ergänzt durch arabischen und türkischen Gesang.
    Das Transorient Orchestra lässt die Melodien und Rhythmen des Orients mit westlicher Harmonik und jazziger Improvisation zu vielfältigen und spannenden Verbindungen verschmelzen.
     
    17:30 DJ
     
    18:30 Azar Ensemble und Adnan Abdullah
    Wir spielen klassische und Volksmusik aus Syrien und der Levant Region.
    George Azar und Shadi Al-housh sind aus Damaskus und leben seit dem Herbst 2015 in Hagen.
    Maren Lueg hat in London an der School of Afrikan Studies ein MMus in der Musik des Mittleren Ostens abgeschlossen.
    19:30 DJ
     
    20:00 Ende
  • Wir brauchen Ihre Hilfe!

    Unser gemeinnütziges Projekt im Rahmen der Flüchtlingshilfe hat einen großen Bedarf an Spenden und braucht dringend Ihre Unterstützung.
    Wenn Sie etwas von den unten aufgezählten Sachen spenden möchten, setzen Sie sich bitte mit der Sachspendenkoordination über die E-Mail-Adresse sachspenden@projekt-ankommen.de in Verbindung. Senden Sie Ihre Kontaktdaten, nach Möglichkeit Fotos von den abzugebenden Dingen und einen ungefähren Zeitrahmen, der uns für die Abholung verbleibt. Bitte beachten Sie, dass wir regulär eine Vorlaufzeit von mindestens einer Woche benötigen und nur innerhalb Dortmunds oder direkt stadtangrenzend abholen können.

    Küche

    • Funktionsfähige und intakte Standherde, Kühlschränke und Kühlgefrierkombis, Spülmaschinen, Spülen, Ober- und Unterschränke, gerne auch gut erhaltene Einbauküchen, Tische und Stühle, Regale

    Babys und Kinder

    • Kinderwagen, Kinderbetten, Bettzeug, Babybetten, Wickelkommoden, Laufställe, Reisebetten, Babyausstattungen, Hygiene, Spielzeug etc. nach Rücksprache

    Wohnzimmer

    • Garnituren/Sofas/Sessel, Regale, kleine Wohnzimmerschränke/kleine Schrankwände, Kommoden, Teppiche – für den Essbereich gerne Tische und Stühle

    Badezimmer

    • Badezimmerschränke, Spiegelschränke, Haartrockner, Rasierapparate, Hygiene nach Absprache

    Schlafzimmer

    • Betten, Lattenroste, hygienische, gut erhaltene Matratzen, Bettzeug, kleine Kleiderschränke, Kommoden

    Sonstiges

    • Waschmaschinen, Staubsauger, Bügeleisen, Bügelbretter, Wasserkocher, Kaffeemaschinen, sonstige Elektrokleingeräte, Wäscheständer, Spiegel, Lampen, Hausrat allgemein, Bettwäsche, Handtücher, Tischdecken, Gardinen, Vorhänge, Gardinenstangen, Teppiche, Schuhschränke, Garderoben
    • Receiver, Hifi-Anlagen mit Lautsprechern, Fernseher mit Fernbedienungen, Handys, Nähmaschinen.

    Wir leisten keine Wohnungsentrümplungen.
    Es werden nicht angenommen:

    • durchgelegene Matratzen, Matratzen mit Flecken und deutlichen Rändern ebenso für Sofa, Sessel und Garnituren ausgeschlossen.
    • Möbel mit Beschädigungen, die dadurch reparaturbedürftig sind, da uns für diese Arbeiten die Kapazitäten fehlen.
    • Dunkle große, klobige Möbel. Möbel mit Überbauten, Schränke, die breiter als 2,50 m, eventuell wenn sie einzeln zu stellen sind. Betten mit Überbauten.
    • Elektrogeräte mit defekten Kabel, Stecker oder anderweitig defekt sind. Gasherde.
    • Dekorationsartikel im weitesten Sinne.
    • Videokassetten, Musikkassetten, Videorecorder, Bücher.

    Bücher können bitte an Jürgen Bengsch vermittelt werden, es sammelt diese für einen Bücherflohmarkt der zugunsten eines Projektes Aplerbecker Gemeinde mehrmals im Jahr stattfindet. Die Gelder fließen nach Afrika.

    Kontakt über sachspenden@projekt-ankommen.de

    Anfragen bezüglich Kleidung bitte ebenfalls über sachspenden@projekt-ankommen.de stellen.

  • Sport hilft gegen (fast) alles

    „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit,
    und er schützt uns durch Vereine, vor der Einsamkeit“.

    … sagte einmal Joachim Ringelnatz, ein deutscher Lyriker, Erzähler und Maler (1883-1934).

    (ein Text von Karina)

    Ich finde, Herr Ringelnatz hat völlig Recht, auch heute noch.

    Und daher möchte ich jetzt ein bisschen von der Sportgruppe erzählen:

    Wir sind aktuell sieben aktive Mitglieder, die versuchen, Geflüchtete für Sport zu begeistern, sie durch Sport zu integrieren und in Vereine zu vermitteln.
    Ohne Sport bin ich persönlich schnell unausgeglichen und zickig. Sport ist wichtig und wenn ich mich bewegen und auspowern kann, fühle ich mich gut. Viele denken jetzt bestimmt das Gegenteil, aber umso mehr wissen ganz genau, was ich meine. Sport befreit und im Team oder in einem Verein kann man sich wohlfühlen und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln.
    Daher lautet meine Antwort auf die immer wiederkehrende Frage nach der Integration von Flüchtlingen auch:

    Treibt SPORT! Wie könnte es einfacher funktionieren?

    Es gibt kaum Sprachbarrieren und „fair play“ kennt jeder.
    So langsam melden sich die Geflüchteten auch bei uns. Es war und ist zwar immer noch schwierig, die Menschen zu motivieren. Viele andere Dinge sind erst einmal wichtiger und die Betreuung und Begleitung ist oft aufwendig, weil die meisten nicht von sich aus zu Sportfesten kommen oder zu Sportvereinen gehen. Aber wenn sie dann erst einmal da sind, ist die Begeisterung oft groß und sie bleiben im wahrsten Sinne des Wortes am Ball.
    Wir sind auch überrascht, wie vielfältig die Interessen sind. Klar, König Fußball ist immer noch die unangefochtene Nummer 1. Gerade jetzt zur EM. Aber auch Schwimmen, Kickboxen und Basketball sind gefragt. Und bei den Mädchen auch Tennis und Tanzen. Ich bin gespannt, wie die geplante Ferienfreizeit „Pferde und Indianer“ ankommen wird..
    Und dann noch Sayed´s Cricket Team! Da wurde erst für uns gekocht, weil wir den Jungs aus Sri Lanka und Myanmar Schläger und Handschuhe organisiert haben, und dann gab es quasi als „Überraschungs-Dessert“ zwei Stunden Cricket-Training im Park. Wir haben zwar immer noch nicht alle Regeln verstanden, aber es machte einen Heidenspaß und die Überraschung war gelungen.
    Es ist auch wirklich schön zu sehen, wie Kinder und Jugendliche beim Sport langsam auftauen und entspannen. Man spürt regelrecht, wie sie abschalten, all ihre Sorgen vergessen und einfach mal loslegen.

    Ich möchte ein paar Beispiele erzählen:

    Einmal im Monat können unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit Schülern des Mallinckrodt-Gymnasiums Fußball spielen. Wir vom Projekt Ankommen holen die Jungs in der Unterkunft ab und bringen sie später wieder zurück. Letztes Mal war ein 16jähriger Junge aus Guinea dabei. Er sprach nur französisch und war erst seit 10 Tagen in Dortmund. Mein französisch ist rudimentär, aber ein Glück konnte sich Monika ein bisschen mit ihm unterhalten. Er hatte weder Shorts noch Sportschuhe, war schüchtern und wollte deshalb schon gar nicht mehr mit, denn in Jeans und Flip Flops kann man ja nicht spielen. Letztlich hat ihm ein Betreuer Sportschuhe und ein Lehrer eine kurze Hose organisiert und er konnte dann doch noch mit aufs Feld. Wunderbar, wie er auftaute und über das Spielfeld flitzte! Plötzlich war er mittendrin in der Gemeinschaft und konnte all seine Sorgen zumindest für ein paar Stunden vergessen. Und dass kaum jemand französisch konnte, war plötzlich auch egal, denn Fußball spielen kann jeder.
    Ein anderes Beispiel: Ich habe einen 16jährigen Jungen aus Albanien zum Volleyballtraining begleitet. Als wir ankamen, schickte ihn der Trainer nach einer kurzen Begrüßung direkt zum Aufwärmen aufs Feld. Keiner der Anderen war skeptisch und erkundigte sich nach Sprache, Herkunft oder Alter. Das war völlig egal, Hauptsache, sie konnten endlich anfangen zu spielen. Einmal habe ich am Spielfeldrand fast einen Ball abbekommen und er kam zu mir, um den Ball zu holen. Er sah mich kurz an, völlig außer Atem, total verschwitzt, aber er grinste mich an und war einfach glücklich.

    Das war einer meiner ganz besonderen Schlüsselmomente: Diese Freude am Sport, aber auch diese ganze Energie, die da raus musste, kam in diesem Moment besonders rüber und hat mich wirklich beeindruckt. Am liebsten hätte ich noch selbst mitgespielt.
    Dieter klettert seit Jahrzehnten leidenschaftlich. Er klettert u.a. mit K., einem talentierten Jungen aus Albanien. K. nutzt inzwischen jede Trainingsmöglichkeit und die beiden sind sogar schon zusammen zum Klettern in den Urlaub gefahren. Dieter erzählt immer ganz begeistert, wie toll sich der Junge entwickelt. Manchmal muss er ihn sogar bremsen, weil er zu schnell zu viel will. Wer weiß, vielleicht wird ja K. noch ein erfolgreicher Kletterer? Danke, Dieter.

    Eine wunderbare Erfahrung war auch unser Sporttag.

    Eine Familie aus dem Libanon war mit ihren Paten Lars und Ina da. Die Größte von vier Töchtern löcherte mich ständig: Was ist das da für ein Sport, was kommt als nächstes, kann ich da mitmachen? Irgendwann kam sie zu mir und sagte: Also, das ist so toll hier, wir haben nächste Woche am Mittwoch Zeit, dann kommen wir wieder, ok? Ich musste lachen und freue mich jetzt schon auf unseren nächsten Sporttag, an dem die vier Mädchen bestimmt auch wieder teilnehmen werden.
    Es gab schon viele solcher oder ähnlicher Erlebnisse, mit groß und klein, ob im Fitnesscenter oder im Park. Sport, ob im Verein oder in kleinen Gruppen, das geht immer. Ich bin immer noch und immer wieder begeistert und freue mich auf viele weitere Sportarten und Erfahrungen. Und wer bei uns mitmachen will, kann sich gerne unter sport@projekt-ankommen.de bei uns melden.

  • Gesegneter Ramadan

    Mit Traditionen soll man nicht brechen – Fasten schon

    (von Alena)

    Seit unserem Start mit Projekt Ankommen ist nun knapp mehr als ein Jahr vergangen. Eine bewegende Zeit mit Höhen und Tiefen. Eine Zeit, die ich nicht zurück drehen möchte und bis heute sehr genieße.

    Die Arbeit hat viele neue Menschen und vor allem Freunde in mein Leben gebracht

    Einen Teil der Menschen kenne ich seit ihrem Start in Dortmund vor 1,5 Jahren, einige seit ihrem Auszug aus der Unterkunft Ende letzten Jahres. Wir durchleben immer noch sehr intensive Augenblicke, in denen wir nicht nur unsere gemeinsame Zeit, sondern auch Freuden und Sorgen teilen. Wir bemerken, wie wir immer häufiger von „Früher“ sprechen. Früher ist hier natürlich überschaubar, aber wir betrachten die zurückliegende Zeit mit strahlenden Gesichtern. Wir erzählen den Freunden, die noch nicht so lange bei uns sind, was wir letztes Jahr tolles unternommen haben und dieses Jahr Neues ausprobieren werden. Eins der Dinge, das sich dieses Jahr und auch in den nächsten Jahren wiederholen wird, ist der Fastenmonat Ramadan. Im vergangenen Jahr habe ich Ramadan zum ersten Mal, mit allem, was dazu gehört, verfolgt. Ich selber habe mich damals dazu entschieden, meinen eigenen „kleinen“ Fastenmonat einzulegen. Vier Wochen kein Alkohol. Nichts im Vergleich zum eigentlichen Fasten, aber mein Weg, die Jungs zu begleiten.

    Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang ist allen Fastenden Essen und Trinken erlaubt

    Wir entschieden uns, einmal in der Woche gemeinsam zu kochen und das Fasten zu brechen. Wie sich zeigte, eine neue Tradition in unser aller Leben: Tolle Abende beim gemeinsamen Schlemmen und Genießen. Schon damals waren wir Deutsche, Syrer, Afghanen, fastende Muslime und nicht fastende Muslime. Alle haben mitgeholfen und gemeinsam die Lieblingsspeisen der Anwesenden zubereitet. Aber auch an fast allen anderen Abenden aßen wir gemeinsam dort, wo die Menschen lebten und ich freute mich immer, zu beobachten, wie plötzlich die Energie der Leute zurückkam – zu einer Zeit, zu der ich normalerweise im Bett liege und schlafe.  Auch in diesem Jahr wollen wir Ramadan wieder gemeinsam erleben. Ich werde wieder meinen „kleinen“ Ramadan durchführen. Die erste Freundin hat sich schon angeschlossen.

    Eine veränderte Gruppenkonstellation im Vergleich zum letzten Jahr, jedoch genauso bunt

    Die ersten Wunschgerichte sind notiert und die Vorbereitungen starten langsam. Ich freue mich auf diese und viele neue gemeinsame Traditionen.

    Ab Montag heißt es wieder: „Ramadan mubarak“

  • Nachrichten aus Idomeni II

    Vorletzten Samstag haben sich Nahid und Alena aus unserem Vorstand auf den Weg nach Idomeni in Griechenland gemacht, um sich vor Ort ein Bild von den Zuständen zu machen und mit anzupacken. Dafür wurden im Vorfeld Spenden gesammelt, mit denen sie die Hilfe vor Ort unterstützen wollen. Hier ist ihr zweiter Bericht.


    Tag 4

    Das Wetter hat sich glücklicherweise wieder stabilisiert und es war ein sonniger wärmer Tag. Heute haben wir vor der Arbeit im Camp das riesige Warehouse besucht. Die Lagerhalle wird von Ehrenamtlichen betrieben und durch Spenden finanziert. Für einige Familien zu denen wir nun engeren Kontakt haben wurden Tüten mit den notwendigsten Dingen zusammen gestellt. Im Camp haben wir die Familien aufgesucht und die Sachen verteilt. Bei immer mehr und intensiver werdenden Gesprächen wird die Hoffnungslosigkeit der Menschen deutlich. Viele haben schon mehrfach versucht über die Grenze zu kommen. Mit harter Gewalt wurden die meisten wieder zurück ins Camp gebracht. Die Menschen erzählen von 5,6 Versuchen. Jedoch schmieden immer mehr, in Anbetracht des Drucks der Regierung hier, erneute Pläne.
    Am Nachmittag haben unsere Unterrichtsstunden stattgefunden. Zu erst haben die Kinder und im Anschluss die Erwachsenen einen Englischkurs auf Farsi von Nahid bekommen. Gleichzeitig hat Amir, ein Junge der uns sehr schnell ans Herz gewachsen ist, Deutschunterricht von Alena erhalten. Mit Hilfe des selbst gebastelten Deutschbuchs wurde fleißig das ABC und die ersten Vokabeln gelernt.

    Tag 5

    Unser Tag begann wieder früh im Camp. Man sieht Orte, an denen ein Tag zuvor noch Zelte standen. Die Menschen sind weg. Die überall spürbare Unruhe wird auch im Umgang mit den Kindern sehr deutlich. Im Minutentakt streiten sich Kinder  und die meiste Zeit verbringen wir damit Eskalationen zu verhindern. Die Kinder spiegeln die Stimmung im Camp sehr deutlich wieder. Wieder verteilen wir Kleidung und andere Notwendigkeiten an Familien. im Hinterkopf die Vermutung, sie benötigen die Dinge für die weitere Flucht. Auf dem Rückweg trifft Nahid Amir und seine Mutter. Sie kann Ihnen noch Kleinigkeiten mit auf den Weg geben und dann sind sie weg. Einer aus der Gruppe sagt noch, dass er Amir sagte er solle nicht so viel mitnehmen. Als Nahid schaut was er gepackt hatte sieht sie in seinem Schlafsack sein „Deutschbuch“.
    Bei Gesprächen mit Farsi sprechenden Menschen treffen wir immer wieder auf Menschen, die dort nicht richtig zu sein scheinen. dabei handelte es sich heute häufig um „Missionare“, die probierten die Menschen dort zu ihrem Glauben zu bekehren. Unsere Wut darüber ist fast grenzenlos. Uns scheint als hätten die Menschen dort im Moment sicher andere Probleme als darüber nachzudenken Zeugen Jovoas oder Evangelikale zu werden. Immer mehr Menschen erzählen von ihren Plänen. Die Farsiklasse ist deutlich geschrumpft. Und wir wissen, dass auch in den nächsten Tagen einige nicht mehr kommen werden.
    Nach der Arbeit im Camp haben wir noch einen kurzen Stop gemacht um für Nasrin, ein junges Mädchen, das jeden Tag im CultureCenter arbeitet ein Packet mit den nötigsten Sachen für eine junge Frau zusammen zu stellen.

    Tag 6

    Nach dem zur Routine werdenden Besuch im Warehouse starten wir unseren Tag im Camp. Die Kinder stehen immer schon ab 09:00 Uhr vor dem Tor um endlich ins Center zu kommen. Nach Ankommen und Toben werden die ersten Aktivitäten angeboten. Je nachdem welche Ehrenamtlichen (Leute wie wir oder Bewohner des Camps) dort sind wird Sport, Yoga, Musik oder Schach angeboten. Danach werden die bis zu 150 Kinder grob nach Alter aufgeteilt. Für die Kleinen heißt es dann erst mal eine Runde malen und nach dem üblichen Toilettengang wird gespielt. Für die Größeren wird Mathe, Englisch, arabisch oder kurdisch angeboten. Dank der Kooperation mit dem Hotfood Idomeni Team werden die Kinder mit Frühstück und Mittagessen versorgt. Ab Ca. 13:30/14:00 heißt es für die Ehrenamtlichen durchatmen. Für uns heißt es meist durch das Camp zu laufen und die mitgebrachten Kleiderspenden zu verteilen. Zwischen 15:00 und 15:30 beginnt der Farsi Unterricht für die Kleinen und Amirs Einzelunterricht. Im Anschluss werden die Erwachsenen unterrichtet. Englisch für Anfänger und Fortgeschrittene wird von 17:00-18:00 angeboten. Von 18:00-19:00 findet der Deutschkurs für Erwachsene statt. Sonntags gibt es ein wechselndes kulturelles Angebot für alle Interessierten.

    An diesem Tag starten wir unsere Vormittagstour wie üblich. Als wir mit den ersten Farsi sprechenden Menschen in Kontakt kommen, hören wir direkt, dass Amir uns seine Familie wieder zurück im Camp sein sollen. Wir gehen direkt zu ihrem Zelt, nehmen Platz und hören uns ihre Geschichte an…

    Tag 7

    Während unsere Arbeit im Center immer strukturierter wird, werden unsere Gespräche mit den Bewohnern im Camp immer intensiver. Die Menschen fassen Vertrauen und erzählen von ihren Leben in der Heimat, dem Weg bis zum Camp und ihren weiteren Plänen. Hier erleben wir ähnliches wie bei der Arbeit zu Hause, die Berichte berühren einen und lassen uns so schnell nicht mehr los. Eins jedoch unterscheidet sich, man weiß, dass die Geschichte hier im Camp in Idomeni noch kein Ende gefunden hat…
    Auch heute wurden wieder Flugblätter an die Bewohner verteilt. Auf griechisch, arabisch und Farsi war zu lesen: “ die Grenzen sind zu und bleiben zu. Sie können in offiziellen Camps für Flüchtlinge gehen.  Dort haben wir für Sie eine Wohnmöglichkeit und Essen vorbereitet. Sie müssen mit den Behörden kooperieren, damit Sie dort hin gebracht werden. Asylanträge können nur in diesen Camps gestellt werden.“ Auch dies hat wieder zur Unruhe unter den Bewohnern geführt. Der Buschfunk im Camp trug an diesem Tag herum, dass die Grenze morgen am 01.05. geöffnet werden solle. Für den morgigen Tag wurden mögliche Ausschreitungen erwartet.

    Tag 8

    Ein Tag sowas wie Urlaub… Da am Sonntag kein normales Angebot in Center stattfindet wurde die Anzahl der Ehrenamtlichen auf ein Minimum reduziert. Wir haben den Tag genutzt um das Meer nicht nur vom Flugzeug aus gesehen zu haben. Schnell haben wir jedoch gemerkt, für den Kopf gab es keine wirkliche Pause.
    (Text und Bilder: Alena und Nahid)